Der coronäische Advent

Adventliche Exerzitien

Dieser Advent ist ganz anders als wir es gewohnt sind.
Woran gewöhnen wir uns?
Damit meine ich nicht nur, Abstand zu halten und einander auszuweichen,
Masken zu tragen,
mit Karte zu zahlen statt das Kleingeld aus der Hosentasche zu kramen,
einen Einkaufswagen zu benutzen
oder immer einen ausreichenden Vorrat an Klopapier zuhause zu haben.

Aber dass Gott Mensch wird – wie sollten wir uns daran gewöhnen können?
Advent ist die unbestimmte Zeit der schwierigen Verhältnisse, ist Verheißung, ist
SehnsuchtTrostErwartung und Zuversicht.

Momente, Ausblicke, Einblicke und Worte der Sehnsucht, des Trostes, der Erwartung und der Zuversicht begleiten uns durch diesen coronäischen Advent.
Jeden Tag gibt es dazu einen neuen Impuls hier auf unserer Website
du findest das ganze Exerzitien-Programm zum Herunterladen aber auch hier.

Türen zum Advent – der ökumenische Adventskalender

Gemeinsam mit den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Eving und Brechten bieten wir in diesem Jahr auf www.ökumene-eving.de einen Online-Adventskalender an. Jeden Tag gibt es eine Überraschung: Ein Lied, ein Gedicht, eine Bildmeditation, eine Erzählung, ein Gespräch, eine Klanginstallation, eine Andacht, Musik und vieles mehr…
Du musst nur klicken, um die Türen zu öffnen.

Alternativ findest Du den Kalender auch auf unserem Ökumene-YouTube-Channel – – denke aber daran, dass du dich dann in die Datenschutzgefilde von YouTube begibst.

Advent in Tüten

In den Zwischenräumen zwischen Bäumen
finden sich so manche Dinge: Ab dem 2. Dezember hängen zwischen den Bäumen vor der Auferstehungskirche kleine Präsente als Mutmacher, Hoffnungsgeber, Energiereserve, Lichtblick, als … Advent in Tüten


anstandslos Nichtnull

Auf die Frage eines Richters, ob denn nun republikanische Wahlbeobachter beim Auszählen der Stimmen dabei gewesen seien, sagte der Anwalt der Republikaner, es sei eine Nichtnull-Anzahl von Leuten im Raum gewesen (“nonzero number of people”).

Ich vermute, das bedeutet so etwas wie: So gut wie keine!
– und wenn es denn “so gut wie” keine waren, dann waren es auch praktisch keine. Also keine.
Als 1984 noch eine Zukunftsvision von George Orwell war, da beinhaltete diese nicht nur eine totale Überwachung durch “den großen Bruder” und eine undurchschaubare Bündnispolitik im einem ewigen Konflikt, die die Menschen gefangen hielten, sondern auch eine Verzerrung der Sprache im so genannten “Neusprech”: Aus “warm” wird da “unkalt”, aus “schlecht” wird “ungut” und aus sehr schlecht “doppeltlplus ungut”. Dazu gehörte auch das “Doppeldenk”, was bedeutet, zwei sich widersprechende Wahrheiten gleichzeitig als wahr zu akzeptieren. Ein dazu passender Slogan war: “Unwissenheit ist Stärke”. Mittlerweile ist das Politik geworden.

Nun muss man aktuell aber nicht nur die An- oder Abwesenheit von Nicht-Null-Personen fürchten, sondern noch etwas anderes: Wo SERVICE (was auch Dienst bedeutet) noch groß geschrieben wird, da kann man unter Umständen etwas, das man umtauschen möchte – zum Beispiel weil es nicht passt, nicht gefällt oder kaputt ist, “anstandslos zurückgeben”.
Auch das hat eine neue Bedeutung bekommen, denn eben dies war und ist den Wähler_innen in den USA nicht vergönnt, gerade weil der Noch-Präsident absolut gewillt ist, die Macht und das Mandat (weil es nicht passt, nicht gefällt und kaputt ist) anstandslos an die Wähler_innen zurückzugeben – eben im wahrsten Sinne des Wortes “ohne Anstand”.
Womit wir sehen, dass zumindest anstandslos nichtnull Bedeutungen hat.

Wahlwaisen – im Land der unbegrenzten Seltsamkeiten

Ach die Wahl -die, in den USA: sie hat mich auf Trapp gehalten,
obwohl tagelang und vor allem nächtelang nicht viel passiert ist:
Hier ein Umschwung, da ein paar Stimmen mehr, da weniger.

Und dann ist da ja noch Corona,
dass dann leider doch nicht am 4. November verschwunden ist,
wie die Trumpisten angekündigt oder versprochen haben – je nachdem.
Die höchste Zahl an Erkrankten in Dortmund seit Beginn der Pandemie,
neue und umfassender Vorsicht unsererseits – und verquerer Krawall in Leipzig

Und dann das Spiel BVB gegen FCB
“STOP THE VOTE – Hört auf zu zählen” will man da rufen – nach der ersten Halbzeit!
Dortmund an der Tabellenspitze, das sieht so toll aus, das soll so bleiben.
Wir können gar nicht verlieren, denn wenn wir verlieren muss es ja Betrug sein.

Im Laufe der Woche stieß ich auf eine wichtige eine Bemerkung dazu:
Wir hören immer, wer nun vorne liegt oder hinten,
wer überholt hat und wer zurückgefallen ist,
das Stimmen auf mirakulöse Weise „verschwunden sind“- oder „erschienen“.
Aber das alles hat mit unserer Sprache und unseren Vorstellungen zu tun:
unserem MIND-Set: d.h., der Art, wie wir denken.
Wir denken uns die Wahl als ein Rennen oder ein Fußballspiel
und so sprechen wir auch darüber:
Aber das ist falsch. Alle Stimmen, die ausgezählt werden, sind schon abgegeben.
Wer die meisten Stimmen erhalten hat oder zurückliegt steht schon fest,
und zwar ab dem Moment, wenn alle ihre Stimme abgegeben haben.
Es muss nur noch festgestellt werden.

Dennoch bin ich ratlos,
wie man aus dieser Welt alternativer Fakten und der Verschwörungstheorien wieder herausfinden soll. 
Lohnen sich die Eitelkeit und die Lügen, zahlen sie sich aus?
Der Moderator Van Jones von CNN brach in Tränen aus:
Es sei nun wieder einfacher, den eigenen Kindern zu erklären,
dass es wichtig sei, ein guter Mensch zu sein und einen guten Charakter zu haben.
Das Leben in unterschiedlichen Welten: Wie weit geht das?
Und geht das so weiter?

150 Millionen Wähler*innen haben ihre Stimme abgegeben, 
erstmals ist mit Kamala Harris eine farbige Frau mit Migrationshintergrund
zur Vizepräsidentin gewählt worden und
Joe Biden hat so viele Stimmen erhalten, wie noch kein Präsident vor ihm –
doch selbst Trump hat mehr Stimmen bekommen, als Obama hatte:
Was ist da los, im Land der unbegrenzten Seltsamkeiten?

Wahlweise das eine oder das andere Land zu sein
bedeutet, jeweils die anderen zu Wahlwaisen zu machen:
Ist das so, wenn man eine Wahl verloren hat?
Ich hätte mich vermutlich so gefühlt, wenn Trump gewonnen hätte.
Schon die ganzen zwar erwarteten,
nun aber realisierten De-Legitimierungsversuche tragen dazu bei.

Nun gibt es da noch eine andere Redeweise,
die manchmal nach Wahlen zur Rede-Waise wird:
Und zwar immer dann, wenn dieses Wort nur für das Statement nach der Wahl
aus der Kiste geholt wird,
in der es von Wahl zu Wahl schlummert,
ein Wort, das Joe Biden nun aber schon häufiger gebraucht hat: das Mandat.

Das Mandat ist ein Auftrag, der in diesem Fall über die Verpflichtung gegenüber den eigenen Wähler_innen hinausgeht, weil es auch an das Amt und dessen Würde geknüpft ist,
das den Willen der Wähler *innen und das Amt und die Person, die gewählt wurde, zusammenführen soll. Hier gilt es also zu gestalten und nicht zurückzuweisen, nicht zu zerstören, nicht zu lügen oder zu verachten oder nur die eigene Klientel zu bedienen.

Dietrich Bonhoeffer hat darin unseren Auftrag zu einem tätigen Leben in dieser Welt und unter den Bedingungen dieser Welt gesehen: Modifiziert für unsere Zeit besteht unser Mandat darin,

Zu Bebauen und bewahren,
unter den Grenzen dieser Welt, ohne der Welt und uns Schaden zuzufügen, einander auszubeuten, den Profit über alles zu stellen. Dazu gehört eine nachhaltiger Einsatz für das Klima.

Einander partnerschaftlich in Respekt und Liebe zugewandt zu sein,
um das Leben zu meistern. Dazu gehört, den Widerspruch im Gegenüber auszuhalten und Wege zum Miteinander zu finden, gerade unter den Bedingen des Wissens um Gut und Böse, das uns verrückt macht.

gestaltend an einer Gesellschaftsform zu arbeiten,
die Frieden und Gerechtigkeit fördert und ermöglicht,
die nicht Krieg als das Mittel der Wahl sieht und nicht Macht als erstrebenswertes Ziel.

ein Miteinander des Glaubens zu leben,
das nicht zu Urteilen führen soll, mit denen wir uns überziehen, zu Tätern und Opfern erklären, uns die Wahrheit und Gottes Wohlgefallen und damit das Lebensrecht zu- oder absprechen.

Das waren und sind heikle Aufgaben, kritische Aufgaben.
Denn wir werden das Paradies auf Erden nicht und nie allein erreichen,
sondern immer nur im Bündnis mit Gott und den Menschen und der Schöpfung.
Eben darum sind wir gewiesen auf Jesus Christus,
der Gott vor den Menschen und uns vor Gott vertritt,
damit wir nicht zu Wahlwaisen und Redewaisen verkümmern.

Hier nicht, und auch nicht im Land der unbegrenzten Seltsamkeiten.

Lockdown

Vom Baum wie vom Kalender, 
fällt ein Blatt, und noch eines und noch eines mehr,
es sammeln sich die Absagen von Konzerten, Veranstaltungen, Treffen,
wie das Laub auf den Gehwegen
und häufen sich dort, wie die Zahlen der Erkrankten.
Dagegen hilft das laute Laubgeblase so wenig,
wie es hilft den Herbst zu ignorieren,
und dass die Tage dunkler werden.

Eigentlich ist jetzt die Zeit,
in der wir der Trauer Raum geben und dem Gedenken,
in der wir Trost suchen und mahnen: Nie wieder!,
in der wir ein Licht anzünden, Orangen pflücken, Düfte riechen,
uns vorbereiten
und auf Gottes Zukunft setzen.
Eigentlich, aber…

… aber was sollte uns daran hindern, genau das zu tun?

Ekal

Vor kurzem erst traf ich einen kleinen Laufradfahrer,
dessen Mutter nach ihm rief: „Hier geht’s lang!“,
der aber zielstrebig in die andere Richtung steuerte.

Als ich an ihm vorüberging sagte ich zu ihm: “Heh, falsche Richtung.”
Er aber sah zu mir hoch und sagte nur trocken: „Ekal“.

Bekennen

Bekennen wir uns:
Nicht zu dem, den wir wählen sollen, sondern zu dem, der uns gewählt hat.
Nicht zu dem, der uns für dumm verkaufen will, sondern zu dem, der uns freigemacht hat.
Nicht zu dem, der uns vertröstet mit Versprechungen, sondern zu dem, der uns treu ist.
Nicht zu dem, der mit dem Finger auf andere zeigt, sondern zu dem, der die Hand reicht zur Versöhnung.
Nicht zu dem, der sich sonnt im Licht seiner Popularität, sondern zu dem, der mit geht im Leid.
Nicht zu dem, der die Macht beansprucht, sondern zu dem, der Gerechtigkeit ausübt.

Und uns selbst
Nicht als unschuldig an allem,
aber als geliebt und befreit,
geheiligt und gesandt zum Frieden.

Zur Wahl stellen – der Wahl stellen

Gott gibt uns die Wahl:
Wege, die zum Leben führen,
Wege, die den Tod bringen.

Was ist das für eine Wahl? Niemand wird wohl,
das Glück eintauschen für das Unglück,
das Wohlergehen für die Not,
die Gesundheit für die Krankheit
den Segen für den Fluch,
das Gelingen für das Scheitern,
die Freiheit für die Knechtschaft…
Oder?

Niemand wird wohl,
die Wahrheit eintauschen für die Lüge,
die Gerechtigkeit für die Macht,
den Frieden für den Krieg,
Vertrauen für die Täuschung,
Liebe für den Hass,
Respekt für Gewalt?
Niemand?

Der Maßstab ist verschoben,
Und wir bekommen ihn nicht mehr 
zurechtgerückt.
Wo es um uns selber geht, geht es um alles.
Ist es das, was uns auszeichnet in der Kommentar- und Bewertungsgesellschaft?
Hat nicht Jesus Christus uns versöhnt,
indem er auf sich genommen hat, was wir von uns weisen,
und uns angenommen, statt uns von sich zu weisen?

Hat nicht Jesus Christus
das Glück eingetauscht für das Unglück,
das Wohlergehen für die Not,
die Gesundheit für die Krankheit
den Segen für den Fluch,
das Gelingen für das Scheitern,
die Freiheit für die Knechtschaft

damit wir
die Wahrheit eintauschen gegen die Lüge,
die Gerechtigkeit gegen die Macht,
den Frieden gegen den Krieg,
Vertrauen gegen die Täuschung,
Liebe gegen den Hass,
Respekt gegen Gewalt?
Das Leben gegen den Tod?

Mit Lothar Zenetti könnte man darum sagen:

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
was keiner sagt, das sagt heraus
was keiner denkt, das wagt zu denken
was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen
wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
wo alle spotten, spottet nicht
wo alle geizen, wagt zu schenken
wo alles dunkel ist, macht Licht

Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu.

…geschöpft

Lieber Vater

Du bist mit uns ans Meer gefahren, in einem alten Käfer. Wir mussten unterwegs anhalten, rausfahren und das Wasser aus dem Fußraum schöpfen, wie bei einem sinkenden Boot.
Das war natürlich ein Abenteuer. Das war Schöpfung: Der Regen ebenso wie das Schöpfen. Das Boot ist nicht gesunken, es war ja ein Käfer.
So weit ich mich erinnere, hatte er keinen Namen, jedenfalls hieß er nicht Karl und er wurde auch nicht fort-gejagt. Obwohl, ich weiß nicht: Auf der Autobahn war er ja nicht der Schnellste.
Aber wir konnten von hier nach da fahren, um Urlaub zu machen.

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…gesetzt

So waren wir gesetzt,
in den Garten der Schöpfung
und konnten nicht bleiben –
Mit unserem köstlichen, geraubten, ergatterten Wissen
um Gut und Böse,
das uns auseinanderreißt,
uns selbst, 
und Schöpfung und Mensch,
das uns trennt von Gott 
und voneinander.

Nun versuchen wir verzweifelt 
ihn wiederzufinden, den Garten.
Doch irren wir,
auf unseren Wegen und unserem Tun.

So brennt die Erde
in Sibirien wie Brasilien,
in Australien wie Kalifornien.
Die Fluten steigen, als wollten sie löschen,
vom Eise befreit, ist bald der Pol.
Dürre und Stürme und Seuchen
bestimmen die Tagesordnung
grenzüberschreitend.
Die Erde der Grenzen:
Du kommst hier nicht rein! Du kommst hier nicht raus!
im Griff der Gewalt.
Unbeherrscht herrschen die Herrscher,
unterdrücken Freiheit, verfolgen Menschen, schüren Hass.
Gut solln wir leben, hoch solln wir leben;
und nach uns die Sintflut.

Ist das noch die Zeit, die dem Anfang ein Ende
oder schon die Zeit, die dem Ende einen Anfang gibt?

War da nicht ein Lied?
Auftrag, Hoffnung oder
das Pfeifen im Regenwald?

“In die Zeitenwende,
hast Du uns gestellt,
hier sind Herz und Hände,
für die Neue Welt.”

Die kleinen Feiglinge

Es ist doch erstaunlich, wie sehr sich durch die Zeiten hindurch Despoten als kleine Feiglinge erweisen, die andere für sich prügeln, einschüchtern, wegsperren und auch morden lassen. Gefährliche kleine Feiglinge also, wie aktuell Aljaksandr Ryhorawitsch Lukaschenka, der darum hier mit vollem Namen genannt sei. Denn selten wurde die Angst der Diktatoren so deutlich, wie bei der belarussischen Wahl am vergangenen Sonntag – und damit auch, warum freie Wahlen unabdingbar sind für eine Legitimation von Macht. All die Maßnahmen, eine solche zu verhindern, zu unterdrücken, freie Beobachtung nicht zuzulassen und ein wahrhaft lächerliches Ergebnis vorzutäuschen offenbaren nichts als die Angst und Verachtung eines Mannes, der sich nicht stellen will – oder kann. Selbst nach einem Vierteljahrhundert an der Macht nicht.

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