Bing Bing Bing

„Und es sind nicht 140 Zeichen, es sind jetzt 140, 280 – ich kann bing, bing, bing machen und mache einfach weiter, und sie veröffentlichen es, sobald ich es twittere“ beschwört Donald Trump im Interview mit der BILD die Macht der Zeichen. Statt Fragen zu beantworten Behauptungen und Wertungen in die Welt zu „bingen“, um sich mit jeden Bing aufs Neue der eigenen Bedeutung zu vergewissern, markiert für viele Bewunderer nicht nur die Quelle von Wahr- und Weisheit gegenüber den angeblich manipulativen Behauptungen einer so genannten Lügenpresse, sondern scheinbar auch einen neuen Politikstil. Doch so neu ist die Verbindung von Entscheidungsmacht und Zeichendeutung gar nicht.

Pax, Fortuna, Salus: Frieden, glückliches Geschick und Wohlergehen – diese Ziele guten Regierungshandelns ließen sich im römischen Staatskult nur dann verwirklichen, wenn in allen Entscheidungen oder Handlungen auch die Götter ihr Wohlwollen zum Ausdruck gebracht hatten. Um aber in Entscheidungsfällen die Götter nach ihrer Meinung befragen zu können, spielten Zeichen eine bedeutende Rolle. Zu den Zeichen, die von priesterlichen Staatsbeamten, den Auguren, gedeutet wurden, gehörte zum Beispiel der Vogelflug. Wie welcher Vogel in das vom Augur zuvor bestimmte und angezeigte Gebiet des Himmels, dem Templum, ein- oder ausflog, war für ein positives oder negatives Urteil von Bedeutung. Daher ging es nicht um eine Vorhersage der Zukunft, sondern um die göttlich legitimierte Deutungshoheit über Handlungen und Entscheidungen, so dass die Auguren bei einer Einweihung oder der Vergabe von Ämtern (Inauguration) eine entscheidende Rolle spielen konnten.

2017 ist nun die Inauguration des neuen us-amerikanischen Präsidenten ein Fall für den Streit um Deutungshoheiten geworden: „Das war das größte Publikum, das je bei der Amtseinführung eines Präsidenten dabei war. Punkt.“ sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer und ließ keine weiteren Fragen zu. Mit der Einlassung, Spicer habe nicht die Unwahrheit gesagt sondern lediglich „alternative Fakten“ präsentiert, hat die Trump-Beraterin Kellyanne Conway endgültig die Weichen für die Befreiung der Fakten von der Faktizität gestellt. Die Macht des Bing Bing Bing kennt keine Grenzen: Gefühle, Statements, Behauptungen, Lügen – oder, wie wir jetzt wissen, „alternative Fakten“, mit denen zum Beispiel auch der Weggefährte Martin Luther Kings, John Lewis, von Trump denunziert wurde, weil dieser es gewagt hatte, die Legitimität der Wahl Trumps in Zweifel zu ziehen – entscheidend ist angesichts der Komplexität von Entscheidungen aktuell offenbar nur noch die Perspektive auf die Richtung, aus der das Vögelchen in den zuvor bezeichneten Bezirk ein- und ausfliegt, um sich der eigenen Bedeutung und des daran befestigten Urteils über Gut und Böse zu vergewissern. Keine guten Aussichten… Bing.

Der Regen hätte sie vertrieben, aber Gott sah herunter und sagte: Wir werden es nicht regnen lassen auf deine Rede. Tatsächlich, als ich gerade begann sagte ich „Oh nein.“ Bei der ersten Zeile wurde ich von ein paar Tropfen getroffen. Und ich sagte, „Oh, das ist, das ist zu blöd, aber wir werden es durchziehen.“ Aber die Wahrheit ist, dass es sofort aufhörte. Es war erstaunlich. Und dann wurde es wirklich sonnig, und dann ging ich herunter und es regnete direkt nachdem ich gegangen war.

So Trump in seiner Rede im CIA-Hauptquartier. Es regnete während seiner Antrittsrede.


					

Rauchende Ruinen

20 Monate lang sind wir montags zur Haltestelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie vor dem Real in Eving zusammengekommen, um dort zu beten, zu singen, Gedanken auszutauschen und Zeichen zu setzen. Aktuell haben wir das politische Abendgebet ja ausgesetzt, doch der Beginn des Jahres 2017 scheint trotz der Minusgrade erneut nach einer Halte-Stelle zu verlangen. Weiterlesen

Das Ende des Advents

Wann genau endet eigentlich der Advent?

Mit dem Heiligen Abend, der Christvesper – oder doch erst mit der Bescherung? Weil dann das Warten ein Ende und das Christkind seine Pflicht erfüllt hat? Das Christkind hat’s echt gebracht, dieses Jahr… Weiterlesen

Ein prophetisches Wort

Im November begleitete uns die Licht-Installation von Hilke Greif durch die dunkler werdenden Tage und Stimmungen.
Der Monatsspruch aus dem 2. Petrusbrief verwies uns jedoch auf ein aufgehendes Licht, welches schon in den Worten der Propheten als Ansage herrschender und kommender Verhältnisse Trost und Klarheit bringen soll. Seine volle Wirkung sollte dies jedoch erst am 1. Advent entfalten, in dem Moment, wo eine Kippstelle erreicht ist, in der die Worte, die in dunkle Zeiten hineingesagt und eingeschrieben sind, von offenen Händen aufgefangen und getragen werden, Händen, in denen das Stroh bereits auf das Kind in der Krippe verweist. Weiterlesen

Ein feste Deckenburg

ist unser Gott? Das Reformationslied, dass sich angesichts vielfacher Widerstände der Stärke und Widerstandskraft Gottes versichert, wurde beim ersten Deckenburg-Wochenende in der Auferstehungskirche nicht gesungen. Was soll das auch sein: eine feste Decken-Burg? Eine Burg aus Decken und Tüchern wäre doch wohl eine absurde Konstruktion. Welchen Schutz sollte die bieten, welche Stärke darstellen können? Weiterlesen

Halte Mahl

Es ist Freiheit: Die Freiheit eines Christen-Menschen, die sich in voller Verantwortung den Herausforderungen des Lebens in dieser Zeit und in dieser Welt stellt, um darin heilsam, versöhnend, deutlich und unverschämt die neuen Wege Gottes sichtbar zu machen und zu gehen. Ein Christen-Mensch ist – der alten Formulierung zum Trotz – der je aktuelle, wirkliche, von Jesus Christus angesprochene, aufgesuchte, gerufene und befreite Mensch.

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Mitbring-Gottesdienst zu Erntedank

erntedank-mbgd-mittag Miteinander Teilen hat als so genannte Share Economy gerade Konjunktur: Der Austausch von Waren und Dienstleistungen folgt in Zeiten vernetzter Kulturen nicht mehr den klassischen Mustern von Erwerb und Besitz. Allerdings haben Menschen, die in ihrem Leben mit der Gegenwart Gottes rechnen, immer schon anders gehandelt. Sie haben sich gegenseitig bereichert: Weiterlesen

Currywurst für alle – statt Dinner for One

90 Jahre Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Dortmund Eving.
Da könnte man sich ja diesen berühmten 90. Geburtstag zum Vorbild nehmen, der Jahr für Jahr zu Silvester im Fernsehen gezeigt wird und somit längst „Kult“ geworden ist, also feierliche Verehrung genießt. Der Butler James begrüßt dort Miss Sophie, die ihren 90. Geburtstag als Dinner mit ihren längst verstorbenen Freunden zu feiern gedenkt – deren Rollen James nun allein übernehmen muss. Während diese also unsichtbar bereits am Tisch Platz genommen haben, bietet James nun Miss Sophie den Ehrenplatz an.

Wir feiern, dass Gott uns einen Platz angeboten hat, in Dortmund, in Eving,
an dem wiederum wir Gottesdienst feiern können,
Sonntags und in den Begegnungen und der Zusammenarbeit mit den Menschen in unserer Nachbarschaft.

Wir feiern unseren 90. Gemeinde-Geburtstag daher quasi als Gegenprogramm zu diesem berühmten, lustigen aber auch sehr geistigen Getränken zugeneigten Sketch:
zum Beispiel mit Currywurst für alle, statt Dinner for One. Weiterlesen

5 Ringe der Macht

„Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“, so stand es eingraviert auf dem „einen Ring“, bevor dieser im Schicksalsberg vernichtet wurde. In Tolkiens Mittelerde gab es gleich 20 Ringe der Macht: 9 für die Sterblichen, 7 für die Zwerge, 3 für die Elben und dann eben noch den einen, der alle anderen kontrollieren sollte. 9 – 7 – 3 – und was ist mit der 5? Sind es nicht 5 Ringe, die für Olympia stehen? Weiterlesen