Christvesper 2021

Nach vielen Planungen, Aktualisierungen, neuen Überlegungen
feiern wir in diesem Jahr am 24.12. um 16 Uhr die Christvesper in der Auferstehungskirche.
Für diesen Gottesdienst ist 3G sowie eine Anmeldung an unsere Mailadresse hallo@efg-eving.de erforderlich, damit wir entsprechend planen können.
Für alle, die nicht kommen können oder wollen, gibt es die Christvesper im Livestream über Zoom. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Immer noch mitten in der Wüste

Mitten in der Wüste des coronäischen Winters
samt Fata-Morgana einer so genannten Weihnachtsstadt,
ausgestattet mit dem hoffnungsvollen Vorrat einer Booster-Impfung,
und einer glühweinseligen Wegzehrung
aus Mandarinen, Schokonikoläusen, Lebkuchenherzen und Bratwurstduft,
beladen mit Geschenken, unter deren Last
uns die Zeit wie Sand zwischen den Zehen zerrinnt,
unter dem blinkenden Lichterhimmel kalter, dunkler Nächte,
und beim Versuch, zwischen all den Locksternen den einen zu finden,
der uns zum Ziel führt, das wir noch nicht kennen:

Steht da wieder der im Kamelhaarmantel,
bietet uns noch einmal von den Heuschrecken an
samt dem wildem Honig –
na gut, das mit dem Honig würden wir probieren –
und sagt:
„In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg
und unserm Gott eine Straße durch die Steppe.“ 

„Wie jetzt!“, sagen wir, „meinst du denn nicht,
wir hätten schon längst genug der Straßen allüberall und überhaupt:
Wie sollen wir in der Wüste Wege bahnen, und noch dazu für Gott,
von dem wir doch hoffen, das er – wie einst – vorangeht. Als Wolkenfeuersäule.
Und übrigens: Die Bibel zitieren können wir selber.“

Mitten in der Wüste

Mitten in der Wüste des coronäischen Winters
samt Fata-Morgana einer so genannten Weihnachtsstadt,
ausgestattet mit dem hoffnungsvollen Vorrat einer Booster-Impfung,
und einer glühweinseligen Wegzehrung
aus Mandarinen, Schokonikoläusen, Lebkuchenherzen und Bratwurstduft,
beladen mit Geschenken, unter deren Last
uns die Zeit wie Sand zwischen den Zehen zerrinnt,
unter dem blinkenden Lichterhimmel kalter, dunkler Nächte,
und beim Versuch, zwischen all den Locksternen den einen zu finden,
der uns zum Ziel führt, das wir noch nicht kennen:

Steht da einer im Kamelhaarmantel,
bietet uns ein paar geröstete Heuschrecken an
samt etwas wildem Honig –
doch wir zweifeln am zarten Schmelz und lehnen mutig dankend ab.
„Kehrt um!“, sagt der Kerl – 

„Wie jetzt!“, sagen wir, „du meinst doch wohl nicht,
den ganzen Weg zurück, mit all dem Zeug,
dass uns trösten soll in der Wüstenzeit,
die wir uns ja nun auch nicht selber ausgesucht haben.

Und überhaupt: wohin sollen wir umkehren?“
Fragen wir und denken an die goldenen Zeiten vor Corona und dem Klimawandel – samt ihren Fleischtöpfen. … Nun, vielleicht hat er ja recht. 

„Kehrt um!“, sagt der Kerl, noch einmal:
„Denn das Himmelreich sei nahe herbeigekommen
und die Axt an die Wurzel gelegt.“

„Welche Axt?“ fragen wir. 

Solidarität mit der Selimiye Moschee in Eving

Es gibt Menschen und Ideologien, die beziehen ihre Energie und Befriedigung da heraus, andere Menschen herabzuwürdigen, herabzusetzen, zu beleidigen und zu verachten.
Dass sich in Dortmund Eving ein Niemand toll fühlt, weil er unserer muslimischen Nachbargemeinde einen Schweinekopf ans Tor gehängt hat, ist so ein Fall. Es ist tatsächlich ein kompletter Weg-Fall von Würde und Respekt. Doch, um es in Begriffen zu sagen, die vielleicht für diesen Niemand eine Rolle spielen: Kein Respekt – keine Ehre!

Die Feigheit dieser Tat besteht ja schon darin, dass die einzige Idee, einer hilflosen Gefühlswelt und einer verwirrten Gedankenwelt Herr zu werden, darin besteht, andere herabzusetzen und zu beleidigen oder in ihren Gefühlen und Überzeugungen zu verletzen.
Darum wird einmal mehr deutlich, dass es für diese Menschen keinen Raum in unserer auf ein Miteinander angewiesenen Gesellschaft geben darf. Menschenverachtung ist keine Haltung, sie darf niemals (wieder!) zur politischen Kraft werden.

Als Evangelische Freikirche stehen wir für Religionsfreiheit, Toleranz und Dialog und setzen uns ein gegen Hass, Gewalt und Rassismus. Wir erklären ausdrücklich unsere Solidarität mit der Selimiye Moschee und allen Glaubenden, die sich dort versammeln.

 

Exerzitien in coronäischen Zeiten

„In coronäischen Zeiten sind wir dem nah, was Advent tatsächlich ist“:
habe ich vor einem Jahr geschrieben. Nun, zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie, finden wir uns erneut in einem coronäischen Advent wieder.
Was also ist geworden,
aus der Sehnsucht, dem Trost, der Erwartung und vor allem:
der Zuversicht?
Darum gibt es in diesem Jahr ein neues Exerzitienprogramm zum coronäsichen AdventNicht einfach eine Wiederholung, weil sich die die Situation wiederholt,
sondern etwas Neues, um dem Gefühl der Entmutigung zu begegnen
und neu aufzuleben.

Was passiert in einem Mitbring-Gottesdienst zum 1. Advent?

„Was passiert eigentlich bei einem Mitbring-Gottesdienst?“
wurde ich letztens gefragt. Nun, alle sind eingeladen, etwas mitzubringen,
unabgesprochen, unverplant, da, wo es seinen Platz findet.
Am ersten Advent waren das zum Beispiel:

Musik mit Gambe und Klavier,
mit Gambe und Saxophon, Gambe und Violine
sowie mit Harfe
Harfe, Flöte und Gitarre zur Begleitung von Liedwünschen
Eine Stern-Andacht zum Finden in den Gottesdienst und in den Advent
Aktionen und soziales Handeln: Kinderwünsche, die Obdachlosenhilfe Gasthaus
Lebensgeschichte erzählen: Verluste und sich zurecht finden
Daraufhin einer Hoffnungs-Geschichte zuhören
Gedanken zur aktuellen Lage mit dem Lied: O Heiland reiß die Himmel auf teilen
und die Bibel teilen mit Versen aus Jesaja: Barmherzig will ich sein!
Das Lied „Lasst euch anstiften zur Freude“ hören und singen,
samt einer zur Freude anstiftenden Verteilaktion mit Text und Kerze
„Ich habe einen Stern gefunden“: so schließt sich der Bogen.
So können wir Lichtworte mitnehmen,
und einen guten Segen

Schönheit und Wahrheit

Seht doch, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen,
dass man der vorigen nicht mehr gedenken
und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.“ (Jesaja 65,17)

Wie schön!
Nicht zu schön, um wahr zu sein. Nein.
Denn was ich gerade sehe
scheint mir zu wahr, um schön zu sein.

9einhalb Thesen

Gott ist ein schöpferischer Gott, voller wunderbarer Ideen für eine lebenswerte Welt.
Jesus Christus zeigt uns Menschen den Weg, darin sinnvoll und heilsam zu leben.
Im Heiligen Geist wird Gottes Liebe und Kraft auch in uns wirksam, jeden Tag neu.

Was also braucht es hier und heute, in dieser Zeit milliardenfacher Thesen- und anderer Anschläge, was sowohl das Geschäftsmodell für die Großkonzerne der Digitalisierung ist als auch das Versprechen individueller Sichtbarkeit und Selbstwirksamkeit
und die darum jeden Tag, jede Stunde, jede Minute Öffentlichkeit suchen und beanspruchen?
Wie stets, damals und heute, braucht es das Evangelium in Wort und Tat,
um die Welt zu verändern und die Kirche zu erneuern.

Was ist das: Das Evangelium?
Es ist die zugleich revolutionäre wie tragfähige Botschaft, dass wir ja gar nicht
die furchtsam ausgelieferten, die ums Heil feilschenden, 
die ums Überleben kämpfenden, die an Traditionen und Institutionen geketteten,
die an Scheitern und Schuld zu messenden,
und auch nicht die selbstgerechten, besserwissenden, alles beurteilenden Menschen sind, sondern Menschen eines Neuen Weges in Jesus Christus.

Was das heißt: Neuer Weg?
Nicht auf den Staat, nicht die Angst, nicht die Empörung, nicht YouTube, nicht die Anzahl der Sternchen oder die Quote kommt es an, sondern auf das Bündnis von Freiheit und Verantwortung – und dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.

Darum sind wir gefordert, uns zu reformieren – wir müssen uns neu und unangepasst formieren: Vollkommen unperfekt – Willkommen in der Auferstehungskirche!

Gemeindeerneuerung kommt daher nicht aus den neuen Technologien und nicht mit den neuen Technologien, sondern aus dem Evangelium und mit der Kraft des Heiligen Geistes. Das schließt aber die kreative, ja queere, Nutzung dieser Technologien ebenso ein wie die Kritik daran.

Selbstbedienungsgottesdienste aus dem YouTube-Supermarkt, auf den Geräten daheim in den Schlaf- und Frühstückszimmern, Wellnessangebote geistlicher Eitelkeiten oder die Tipps des Tages zur rechten und frommen Selbstorganisation meines Lebens, Eventkirche und Ambientefeierlichkeiten, Kleingruppen und Zoomkacheln, Mentimeterkirche und schon sind alle beteiligt, globale Zuschauer:innen im Stream unserer Möglichkeiten, abgeschaltet und zugeschaltet – die Quote zählt was zählt – oder mahnend das Altvertraute und Bewährte besser stets bewahren?
Wir werden wirr in der Menge der Möglichkeiten und Versprechungen, wo uns doch schon die coronäischen Zustände und Umstände und Bedingungen durchgeschüttelt haben.

Start-Up, das betrifft ja wohl auch uns als Gemeinde.
Also legen wir los, Dinge zu tun, auf die es ankommt und die gerade darum ankommen.

Was sollen wir warten, dass Menschen den Hintern hochkriegen oder sich berufen fühlen angesichts der (Über-)Fülle der ganz konkreten Aufgaben für uns als Christ:innen und als Auferstehungskirche in unserer Welt und in unserer Nachbarschaft?
Wir müssen selber anfangen und wir müssen uns öffnen für Menschen von den Hecken und Zäunen – und Ufern, so wie auch Jesus selbst zu Fischern gegangen ist.

Eben darum sage ich: Reformator:innen gesucht!

Reformator:in gesucht!

Ich bitte Dich, werden sie sagen: „Von Anschlägen haben wir wahrlich genug.
Jährte sich nicht 9/11 in diesem Jahr zum 20sten Mal – und mussten wir nicht in all den Jahren und all den Zeiten immer wieder Schlimmstes erleben, bei all diesen Anschlägen – gerechtfertigt mit Religion und Ideologie und anderem Wahn?“

Wollen wir also wirklich unsere Thesen für eine erneuerte Kirche an die altehrwürdigen Türen anschlagen? – Und seien es nur neuneinhalb.

Denn wer weiß schon noch, was da geschrieben stand,
in diesen vielen Thesen, die Martin Luther da einst anschlug?

So dass man fragen könnte:
War es das Wort, oder war es die Tat, wodurch die Welt verändert wurde?
Und was braucht es hier und heute, in dieser Zeit milliardenfacher Thesen
und anderer Anschläge, die jeden Tag, jede Stunde, jede Minute
Öffentlichkeit suchen und beanspruchen?

Wie stets, damals und heute,
braucht es das Evangelium in Wort und Tat,
um die Welt zu verändern und die Kirche zu erneuern.
Und Reformator:innen, die Hand und Wort anlegen.

Darum will ich auch nicht aufgeben, außer vielleicht eine Anzeige:
Reformator:innen gesucht – für eine nach-coronäische Welt,
samt ihrer Sehnsucht nach Sinn und Verstand,
und nach einer Kirche, die aufbricht.

Und übrigens…

Wäre es denn nicht tröstlich, hilfreich und auch geschickt,
wenn die, die immer wieder austicken, sich mal was sagen lassen?
Und wenn die, die ständig Bedenken tragen,
auch wenn und weil sie manchmal nicht ganz bei Trost sind,
eben gerade diesen Trost bekämen,
damit sie wissen, dass sie nicht alleine dastehen?
Und wie wäre es,
wenn selbst die, die „es nicht glauben wollen“,
sich trotzdem gut aufgehoben fühlen?
Und wenn die, die nicht mehr können,
nicht auch noch immer mehr müssen?
Wäre das nicht wunderbar?

Es ist doch sicher jeder und jedem von euch klar,
dass Geduld nicht plötzlich kommt
und Hass nicht mit Hass zu überwinden ist.

Es kommt darum vielmehr darauf an,
dass wir unseren Nachbar:innen ebenso Gutes tun wie uns selbst,
weil wir tun, worauf es ankommt, oder? Ohne Unterschied.

Es dient dem Leben übrigens mehr,
wenn die Nörgelei allenfalls mal die Fröhlichkeit unterbricht
– und nicht umgekehrt.
Mit Gott ständig in Verbindung zu bleiben
ist doch allemal besser als das verzweifelte Stoßgebet.
Wir können all unsere Bitten ja vor Gott bringen,
wenn wir ihm eh gerade Danke sagen.

Es hilft im Übrigen gar nichts,
wenn ihr ständig bloß Bewertungen abgebt,
über euch oder andere,
oder wenn ihr Vernunft oder Einsicht verächtlich macht.
Öffnet Euch lieber für Gottes Kraftwirkungen,
und verschließt euch nicht vor der Einsicht
in die Wirklichkeit und Wechselwirkungen dieser Welt
– und dem, was daraus folgen mag. 

Denn nur so könnt ihr herausholen und fördern, was dem Leben dient
– und die Unheilszusammenhänge durchbrechen.

Kurzum:
Gott ist ein Gott des Friedens!
Darum ziehe er euch zu sich und präge euer Leben
im Großen und im Ganzen – und im Kleinen auch,
damit ihr heil werdet an Geist, Seele und Leib,
und bewahrt bleibt vor allem Schaden
und so, dass auch niemand anderes durch euch zu Schaden kommt.
Denn so kann mit Jesus Christus
die neue Welt Gottes und seine Gerechtigkeit kommen und gegenwärtig sein.

Was für ein Segen:
Du bist geschickt von Gott,
gesandt und befähigt!
Gott aber ist treu: Er wird all das möglich machen!
Amen.

1. Thessalonicher 5,14-24