Entspannung…

Entspanne uns, Gott,
wo wir es nicht mehr aushalten, zerrissen zwischen Wollen und Können

Entführe uns, Gott,
aus der Versuchung, wo wir gefangen sind in Zwängen und Ängsten

Entfalte uns, Gott,
wo wir verknittert, verkrümmt und zerknüllt sind vom Leben

Entwickle uns, Gott,
aus den Verstrickungen von Schuld und Tod, von Leid und Not

Entwerfe uns, Gott,
wo wir schon fertig sind mit uns und allem

Entberge uns, Gott,
die Weisheit und die Liebe, die verborgen ist im Reden und Tun der Menschen

Entschuldige uns, Gott,
aber wir haben gerade Wichtigeres zu tun…

Hierhin, Atem!

Hierhin! Atem!
Atem des lebendigen Gottes,
Atem der Zuversicht, des Lebens, der Fülle: Komm
und durchdringe unsere Körper, belebe unseren Geist, stärke unsere Seelen,
richte uns auf, gib Kraft und Ausdauer,
und fache an die Flammen der Liebe!

Wir haben die Ansteckung gefürchtet,
Münder und Nasen bedeckt,
die Luft angehalten beim Leichtsinn anderer Menschen.
Uns ist die Puste ausgegangen
von all den Lasten und den langen Tagen,
Krieg liegt uns auf der Brust,
wir sind allergisch gegen Unrecht, die Gewalt schnürt uns die Kehle zu.
Vergiftet die Atmosphäre vom Abgas unserer Worte und Taten,
drückend, das Klima der Selbstgerechtigkeit,
wir ersticken in Wortlawinen des Hasses und des Bewertungswahns.
Müde sind wir geworden in Herzen, Hirnen, Händen
drum hierhin, Atem! Komm!

Atem der Zuversicht, des Lebens, der Fülle: 
Durchdringe unsere Körper, belebe unseren Geist, stärke unsere Seelen,
richte uns auf, gib Kraft und Ausdauer,
und fache an die Flammen der Liebe.

Hierhin, Atem! Komm!

neues Lied?

Warum nur
will Gott ständig neue Lieder
sind denn die alten ihm nicht gut genug?
Was heißt denn neu: Ihm unbekannt?
Uns unbekannt?
Gibt es tatsächlich Dinge, die ihm „neu“ sind,
auf die er gar „neu-gierig“ ist?
Geht es ihm wie uns, die sich nie zufrieden geben,
mit den Hit-Paraden aller Zeiten und aller Orte?
Muss darum stets was Neues her?

Was hört denn Gott am liebsten:
Der Engel helle Lieder?
Bachchoräle, Bachkantaten?
Doch sind die ja schon fast so alt
wie die Psalmen.
Dann doch wohl Worship, Lobpreis, Anbetung
vielleicht, weil er sich dann geschmeichelt fühlt,
so groß und hoch erhoben,
dort oben, auf dem Thron.
Wie es wohl ist, wenn Gott mal einen Ohrwurm hat?
Hört er denn dann noch unser Singen oder Beten?
Muss darum stets was Neues her?

Was ist den mit dem Lied der Mirjam, der Hanna oder der Maria,
hat sie es ihm ins Ohr gesungen, damit er einschläft,
in dem Rummel dort im Stall und auf der Flucht?
Was sang er bei der Arbeit, auf der Hochzeit oder mit den Freunden?
Sangen sie nicht Loblieder, bevor sie zum Ölberg gingen,
in der Nacht,
in der er verraten wurde?
Muss darum nun was Neues her?

Und welchen Klang hat wohl der Schnee, wenn er auf Wiesen fällt,
und welchen Blumen, wenn sich Knospen öffnen:
den Klang der Auferstehung?
Muss darum nun was Neues her?

Und wenn nun heute Morgen alle ihre Lieder sängen,
hier und dort und drüben auch, rund um die Welt
wie das wohl klingt in seine Ohren?
Das Durcheinander aller Lieder, das ist wohl immer neu?

Dein Lied in Gottes Ohr!
Warum nur
will Gott neue Lieder?

9. Mai

Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schumann vor, die Kohle- und Stahlindustrien Frankreichs und Deutschlands einer gemeinsamen, europäischen Behörde zu unterstellen. Die für Kriege benötigten Industrien sollten gemeinsam verwaltet werden, damit sie nicht wieder gegeneinander in Stellung gebracht werden könnten:
Nie wieder.

Schumanns Erklärung beginnt mit den Worten:
„Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen,
die der Größe der Bedrohung entsprechen.“

Andere Staaten sollten sich dieser Idee anschließen, denn, so Schumann:
„Diese Produktion wird ohne Unterschied und ohne Ausnahme der ganzen Welt angeboten, mit dem Ziel, zur Anhebung des Lebensstandards beizutragen und friedliche Errungenschaften zu fördern.“
Das ist der Kern, die Idee und die Aufgabe der EU – fast hätten wir es vergessen.
Darum leuchten heute, am Europatag, viele Gebäude in Dortmund und auch unsere Auferstehungskirche in Blau.

Der EU-Ratspräsident Michel musste heute in Odessa jedoch Schutz suchen vor russischen Raketen.
Friede ist demnach eine Aufgabe, die für viele Machthaber und Staaten dieser Erde wie für Russland, Putin und Co. offenbar zu groß ist. Denn sie erfordert Klugheit und die Bereitschaft, etwas aufzugeben oder gar zu teilen. Und zwar nicht die Verklärung glorreicher Siege der Vergangenheit oder der jederzeit bereitliegende Stempel „Nazi“. 

Zu teilen ist vielmehr die Ermöglichung einer gemeinsamen Zukunft, die nicht mit Waffengewalt herbei gezwungen werden kann und nicht mit Unterdrückung sowie Sprech- und Denkverboten zu verwechseln ist. Denn Friede ist eine Aufgabe – im doppelten Sinn:
Die Aufgabe, Lebensraum, Platz zum Leben und für gelingendes Miteinander zu schaffen
und dafürdie Durchsetzung eigener Interessen mit Waffengewalt aufzugeben.
Friede ist also eine Aufgabe, die auf den Tag der Befreiung folgt und nicht das Eilen von Sieg zu Sieg, wie glorreich diese auch verklärt sein mögen.
Friede ist eine Aufgabe, die Freiheit erfordert.

Die Freiheit, auch Feinde zu lieben gehört wohl dazu, so schwer das sein mag.
Denn, so schreibt Paulus an die Menschen des neuen Weges in Galatien (Galater 5):
13 Ihr, Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht einem selbstbezogenen leiblichen Leben Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. 14 Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3.Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«
15 Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu,
dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.

Zum 1. Mai 2022

Lasst uns doch Demonstrant:innen der Liebe Gottes sein,
die der Gerechtigkeit zum Recht verhelfen,
und aufstehen gegen die Hassgestalten,
die Kriegstreiber, Despoten, Ausbeuter,

Lasst uns der Schöpfung Lebensatem sein,
nicht Diener der Zerstörung,
kreativ und aufmerksam,
dem Leben Raum zu geben, Not zu lindern.

Wir wollen Menschen des Neuen Weges sein,
damit Menschen den Ort finden oder bauen,
der Heilung und Versöhnung,
der Gerechtigkeit und Frieden möglich macht.

Den Frieden schützen

Den Frieden sollt ihr wie ein Licht
beschirmen und umhüllen,
legt ihn einander in die Hand,
so wird ein Schatz sie füllen…

Legt ihn einander in die Hand,
erwartungsvoll und offen
Habt sorgsam acht mit Wort und Tat
auf alles, das geschaffen.

Legt ihn einander in die Hand,
wie Brot, wenn wir es teilen,
Blickt allen freundlich ins Gesicht,
wir leben um zu heilen.

Legt euch den Christus in die Hand,
dass er den Maßstab setzte.
Macht Frieden, gebt den Frieden frei,
und teilt den Schatz der Schätze.

Und wie beim Mahl, wenn Hand mit Hand
sich formt zu einer Wiege
Empfangt und hegt des Herrn Geschenk,
dass Friede in euch liege.

Am Ostermorgen

am Ostermorgen
gilt ihre Hinwendung dem Grab
ihre Zuwendung dem Verstorbenen,
ihre Sorge dem Stein,
ihre Angst der Leere,
ihre Flucht der Wirklichkeit und
ihr Entsetzen dem Unbekannten.

Wohin fliehen, wenn das Grab leer ist?

Da steht plötzlich Jesus selbst vor ihnen und sagt: »Seid gegrüßt!«
Sie werfen sich vor ihm nieder und umfassen seine Füße.
»Habt keine Angst!«, sagt Jesus zu ihnen.

Geht, vertraut, erzählt, berichtet, ja verkündigt:
Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
Bleibt nicht für Euch,
kalt, jeder einzeln, ungeborgen, schwer und traurig, ziellos, unauffindbar.
Macht Euch auf, werdet leicht und weit, berührt, angestoßen vom Licht…

Also los: Weg vom Grab!
Alles hinlaufen und hineinsehen hat keinen Sinn.
Was wollt ihr euch niederwerfen und an Jesu Füßen festhalten?

Macht euch auf, werdet licht, werdet leicht und weit,
verkündet den Frieden und die Revolution Gottes gegen den Tod.
Steht auf gegen Unregrechtigkeit und Krieg
lebt die Gerechtigkeit Gottes und die Liebe Jesu Christi
in Freiheit und Verantwortung
und in der Kraft des Heiligen Geistes.

Denn Licht bricht herein in das Dunkel der Gräber, Türen öffnen sich, Steine rollen aus dem Weg, Grenzen fallen, Zeit und Ewigkeit gehen ein Bündnis ein!
Da ist etwas radikal anders, neu, voller Energie:
wie ein Erdbeben,
dass die Todeswächter überwältig,
noch die dicksten Brocken einfach zur Seite schiebt,
Licht in das dunkelste Dunkel bringt und es vertreibt
als wäre dies der erste Tag der neuen Schöpfung
wo Gott spricht: Es werde!

Ein neuer Himmel, eine neue Erde
wimmelndes Leben, aus der Erde hervorgebracht
der Mensch nach Gottes Bild – endlich frei.

Das Wort vom Kreuz

Das Wort vom Kreuz
ist mir ein KreuzWortRätsel.
Soll Liebe wirklich Leiden sein
Soll Leiden wirklich Schuld verzeihn
und Leben wirken durch den Tod?
Steht dieses Kreuz denn nun
für Folter oder Frieden?
Was ist das für ein Lieben,
und wo ist da der Sinn?

Karfreitagsliturgie 2022
zum Nach,- Mit- und Vorlesen
und anhören:

Sind wir noch brauchbar?

Immer deutlicher wird der Totalitätsanspruch der russischen Regierung auf Gehorsam in allen Lebensbereichen – die Freiheit ist massiv eingeschränkt, unter Androhung von Gewalt und Haft. Währenddessen sprechen russisches Staatsmedien offen von einer Entukrainifizierung – die Massen müssten umerzogen, die Staatsführung eliminiert werden.
Der historische Kampf gegen das Naziregime dient hier als zynische Markierungspraxis und Begründung für maßlose Gewalt: Alle Ukrainer:innen werden als Nazis bezeichnet.

Der evangelischer Pfarrer und Theologe Dietrich Bonhoeffer hat im Widerstand gegen das Naziregime sein Leben verloren. Im Widerstand gegen ein Regime, dem das Russland von Putin, Medvedew, Kadirov und Konsorten, trotz oder gerade wegen aller Propaganda, mit der angebliche Feinde markiert und verfolgt werden, in seinen Handlungen und in seinem Angriffs- und Vernichtungskrieg jeden Tag ähnlicher wird. Sein Opfer wird ebenso wie der Tod der Millionen Opfern des Naziregimes durch die russische Regierung mißbraucht und verächtlich gemacht.

Wie aber können wir uns verhalten, welche Position wollen wir beziehen? Auch wenn wir nicht im Land der Unterdrücker leben – wieweit gehen Freiheit und Verantwortung, wenn wir uns an Jesus Christus halten? Unter der Frage: Sind wir noch brauchbar? schreibt Bonhoeffer:

Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen, wir sind
mit vielen Wassern gewaschen, wir haben die Künste
der Verstellung und der mehrdeutigen Rede gelernt, wir sind
durch Erfahrung mißtrauisch gegen die Menschen geworden
und mußten ihnen die Wahrheit und das freie Wort oft schuldig
bleiben, wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe oder
vielleicht sogar zynisch geworden – sind wir noch brauchbar?
Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, nicht
raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen
werden wir brauchen. Wird unsere innere Widerstandskraft
gegen das uns Aufgezwungene stark genug und unsere
Aufrichtigkeit gegen uns selbst schonungslos genug geblieben
sein, dass wir den Weg zur Schlichtheit und Geradheit wiederfinden?
In: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 38

Am Gründonnerstag zeigen wir um 18 Uhr in der Auferstehungskirche
den Film „Die letzte Stufe“  (USA, CAN, D 2000) über Dietrich Bonhoeffer.

Einzugsermächtigung

Was nimmt er sich heraus,
hier aufzumarschieren,
der Eselreiter
samt seiner Wegbereiter
mit Palmgewedel und Psalmgesang.

Als wollten sie
mit einem Karnevalsumzug
die Stadt erobern – narrenfrei und eingebildet:
Sieh, dein König kommt zur dir!

Da kommt’s mir hoch,
da könnte ja jeder kommen,
wo kommen wir denn
da hin?

Ach komm, der hat ja gar keine
Einzugsermächtigung –
von uns jedenfalls nicht.