Ekal

Vor kurzem erst traf ich einen kleinen Laufradfahrer,
dessen Mutter nach ihm rief: „Hier geht’s lang!“,
der aber zielstrebig in die andere Richtung steuerte.

Als ich an ihm vorüberging sagte ich zu ihm: “Heh, falsche Richtung.”
Er aber sah zu mir hoch und sagte nur trocken: „Ekal“.

Bekennen

Bekennen wir uns:
Nicht zu dem, den wir wählen sollen, sondern zu dem, der uns gewählt hat.
Nicht zu dem, der uns für dumm verkaufen will, sondern zu dem, der uns freigemacht hat.
Nicht zu dem, der uns vertröstet mit Versprechungen, sondern zu dem, der uns treu ist.
Nicht zu dem, der mit dem Finger auf andere zeigt, sondern zu dem, der die Hand reicht zur Versöhnung.
Nicht zu dem, der sich sonnt im Licht seiner Popularität, sondern zu dem, der mit geht im Leid.
Nicht zu dem, der die Macht beansprucht, sondern zu dem, der Gerechtigkeit ausübt.

Und uns selbst
Nicht als unschuldig an allem,
aber als geliebt und befreit,
geheiligt und gesandt zum Frieden.

Zur Wahl stellen – der Wahl stellen

Gott gibt uns die Wahl:
Wege, die zum Leben führen,
Wege, die den Tod bringen.

Was ist das für eine Wahl? Niemand wird wohl,
das Glück eintauschen für das Unglück,
das Wohlergehen für die Not,
die Gesundheit für die Krankheit
den Segen für den Fluch,
das Gelingen für das Scheitern,
die Freiheit für die Knechtschaft…
Oder?

Niemand wird wohl,
die Wahrheit eintauschen für die Lüge,
die Gerechtigkeit für die Macht,
den Frieden für den Krieg,
Vertrauen für die Täuschung,
Liebe für den Hass,
Respekt für Gewalt?
Niemand?

Der Maßstab ist verschoben,
Und wir bekommen ihn nicht mehr 
zurechtgerückt.
Wo es um uns selber geht, geht es um alles.
Ist es das, was uns auszeichnet in der Kommentar- und Bewertungsgesellschaft?
Hat nicht Jesus Christus uns versöhnt,
indem er auf sich genommen hat, was wir von uns weisen,
und uns angenommen, statt uns von sich zu weisen?

Hat nicht Jesus Christus
das Glück eingetauscht für das Unglück,
das Wohlergehen für die Not,
die Gesundheit für die Krankheit
den Segen für den Fluch,
das Gelingen für das Scheitern,
die Freiheit für die Knechtschaft

damit wir
die Wahrheit eintauschen gegen die Lüge,
die Gerechtigkeit gegen die Macht,
den Frieden gegen den Krieg,
Vertrauen gegen die Täuschung,
Liebe gegen den Hass,
Respekt gegen Gewalt?
Das Leben gegen den Tod?

Mit Lothar Zenetti könnte man darum sagen:

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
was keiner sagt, das sagt heraus
was keiner denkt, das wagt zu denken
was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen
wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
wo alle spotten, spottet nicht
wo alle geizen, wagt zu schenken
wo alles dunkel ist, macht Licht

Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu.

…geschöpft

Lieber Vater

Du bist mit uns ans Meer gefahren, in einem alten Käfer. Wir mussten unterwegs anhalten, rausfahren und das Wasser aus dem Fußraum schöpfen, wie bei einem sinkenden Boot.
Das war natürlich ein Abenteuer. Das war Schöpfung: Der Regen ebenso wie das Schöpfen. Das Boot ist nicht gesunken, es war ja ein Käfer.
So weit ich mich erinnere, hatte er keinen Namen, jedenfalls hieß er nicht Karl und er wurde auch nicht fort-gejagt. Obwohl, ich weiß nicht: Auf der Autobahn war er ja nicht der Schnellste.
Aber wir konnten von hier nach da fahren, um Urlaub zu machen.

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…gesetzt

So waren wir gesetzt,
in den Garten der Schöpfung
und konnten nicht bleiben –
Mit unserem köstlichen, geraubten, ergatterten Wissen
um Gut und Böse,
das uns auseinanderreißt,
uns selbst, 
und Schöpfung und Mensch,
das uns trennt von Gott 
und voneinander.

Nun versuchen wir verzweifelt 
ihn wiederzufinden, den Garten.
Doch irren wir,
auf unseren Wegen und unserem Tun.

So brennt die Erde
in Sibirien wie Brasilien,
in Australien wie Kalifornien.
Die Fluten steigen, als wollten sie löschen,
vom Eise befreit, ist bald der Pol.
Dürre und Stürme und Seuchen
bestimmen die Tagesordnung
grenzüberschreitend.
Die Erde der Grenzen:
Du kommst hier nicht rein! Du kommst hier nicht raus!
im Griff der Gewalt.
Unbeherrscht herrschen die Herrscher,
unterdrücken Freiheit, verfolgen Menschen, schüren Hass.
Gut solln wir leben, hoch solln wir leben;
und nach uns die Sintflut.

Ist das noch die Zeit, die dem Anfang ein Ende
oder schon die Zeit, die dem Ende einen Anfang gibt?

War da nicht ein Lied?
Auftrag, Hoffnung oder
das Pfeifen im Regenwald?

“In die Zeitenwende,
hast Du uns gestellt,
hier sind Herz und Hände,
für die Neue Welt.”

Die kleinen Feiglinge

Es ist doch erstaunlich, wie sehr sich durch die Zeiten hindurch Despoten als kleine Feiglinge erweisen, die andere für sich prügeln, einschüchtern, wegsperren und auch morden lassen. Gefährliche kleine Feiglinge also, wie aktuell Aljaksandr Ryhorawitsch Lukaschenka, der darum hier mit vollem Namen genannt sei. Denn selten wurde die Angst der Diktatoren so deutlich, wie bei der belarussischen Wahl am vergangenen Sonntag – und damit auch, warum freie Wahlen unabdingbar sind für eine Legitimation von Macht. All die Maßnahmen, eine solche zu verhindern, zu unterdrücken, freie Beobachtung nicht zuzulassen und ein wahrhaft lächerliches Ergebnis vorzutäuschen offenbaren nichts als die Angst und Verachtung eines Mannes, der sich nicht stellen will – oder kann. Selbst nach einem Vierteljahrhundert an der Macht nicht.

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Am Tischchen des Herrn…

Am Tisch des Herrn sind wir eingeladen, uns noch in der widersprüchlichsten und schwierigsten Zeit stärken und ermutigen zu lassen. Wir erfahren Vergebung und Gemeinschaft, Annahme und liebevolle Zuwendung. Wir empfangen, was wir zum Leben brauchen und was uns zugleich befreit. Noch in der Nacht der Widersprüche hat Jesus den bevorstehenden Ereignissen eine neue Bedeutung gegeben. Nicht Verrat, Flucht, Folter und Tod sollten seine Leute in Zukunft prägen, sondern eine neue Verbundenheit untereinander und mit Gott. Geteiltes Brot, der Kelch des Segens, die guten Gaben Gottes.
Wie aber feiern wir Abendmahl in coronäischen Zeiten? Nun:

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Erleichtertes Gebet

Es tut gut, in Deiner Gegenwart zu sein, guter Gott.
Du tust mir gut:
Deine Liebe verliert mich nicht aus den Augen
Deine Vergebung befreit mich von dem, was ich schuldig geblieben bin
Deine Gerechtigkeit wendet sich den Verfolgten und Benachteiligten zu
Dein Friede übersteigt mein verzweifeltes Nachdenken
Deine Kraft ist in den Schwachen mächtig
und Deine Zukunft beginnt immer schon jetzt

i can’t breath – ich kriege keine Luft

Pfingsten 2020.
Ein Brausen erfüllt die Luft, “wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt”, Zungen von Feuer verteilen sich auf die Anwesenden.


Dann werden sie von Gummigeschossen getroffen, Uniformierte mit Schilden drängen die Menge zurück, einer schlägt auf die Kamera eines australischen Fernsehteams ein.

Wir werden Zeugen des Pfingstereignisses, Pfingstmontag 2020:

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Was starrt ihr in den Himmel?

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten – er ist nicht hier
haben die Engel am Grab gesagt.
Was starrt ihr in den Himmel? fragen sie nun.

Macht Euch locker, haltet nicht fest, doch
seid Euch des Vorbehaltes bewusst:
Schon und Noch-Nicht:
Beides gilt und beides ist jetzt,
bestimmt unsere Wirklichkeit.

Christus, der Auferstandene, geht mit den Wolken,
über denen manche Freiheit wohl grenzenlos erscheint,
hier jedoch,
mitten in der Welt,
zwischen den Zeiten,
müssen Freiheit und Verantwortung zueinander finden
Gerechtigkeit und Friede sich küssen.

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