Haltestelle bei Wind und Wetter

Auch bei schlechtem Wetter findet die Haltestelle für den Frieden statt – so auch am 4. April mit knapp 30 Teilnehmer:innen, die einen bewegenden Bericht der Malteser über eine Evakuierungsaktion in die Ukraine gehört haben. 3001 Kilometer, um 7 schwertbehinderte Kinder aus der Ukraine nach Deutschland zu holen. Schließlich wurden es jedoch 98 Kinder, die trotz wenig Schlaf, Schwierigkeiten an der Grenze und schwierigster Betreuung für die schwerkranken Kinder nach Deutschland geholt werden konnten. Mit unerwarteter Unterstützung, denn zum Teil haben polnische LKW-Fahrer Tankrechnungen für den Konvoi beglichen. Ein Beispiel dafür, dass es auch Hoffnungszeichen und tatkräftige Hilfe gibt. Doch ist auch dies eine Mahnung gegen den durch Russland vorangetriebenen Krieg, vor dem Kinder geschützt und in Sicherheit gebracht werden müssen und eine Anklage gegen das Kalkül der Gewalttäter.

Die Haltestelle geht weiter! Nach einer Pause am Ostermontag werden wir auch am 25. April wieder da sein – und vielleicht gibt es dann noch einmal eine Gelegenheit, dem Bericht der Malteser zuzuhören.

Evangelische Kirchen in Russland zum Krieg in der Ukraine

Vitaly Vlasenko, Pastor einer Baptistengemeinde in Russland und Vorsitzender der Evangelischen Allianz Russland hat in einem offenen Brief seine Ablehnung des Krieges zum Ausdruck gebracht. Noch am Tag vor der Invasion hatte er in einem Brief an Putin um eine friedliche Lösung gebeten. In seiner Eigenschaft als Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Russland bedauert er nicht nur das Leid, dass dieser Krieg über beide Länder bringt, sondern bittet auch alle um Vergebung, die diese Leid ganz konkret erfahren:

An meine lieben Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt:

Als Generalsekretär der Russischen Evangelischen Allianz trauere ich über all das, was mein Land durch seine jüngste militärische Invasion eines anderen souveränen Landes, nämlich der Ukraine, getan hat.

Für mich und für viele andere Christen war die Militärinvasion ein großer Schock. Selbst unter den schlimmsten Annahmen hatte ich mir nicht vorstellen können, was wir jetzt in der Ucraine beobachten. Zwei Völker, die miteinander eng verwandt sind und zudem zu großen Teilen dem christlichen Glauben (hauptsächlich dem Orthodoxen) verbunden sind, kämpfen nun einen verbitterten Kampf. Eine Seite mit dem Ziel die Ukraine zu entmilitarisieren. Die andere möchte das Land vor einer Besetzung bewahren.

Viele Russen und Ukrainer haben enge Familienbindungen im jeweils anderen Land. Ein Russe hat vielleicht Töchter und Enkel in Kiew; während ein Ukrainer Kinder haben mag, die in Moskau leben und arbeiten. Heute werden unsere Herzen von Schmerz, Furcht und Trauer durchbohrt. Wir sorgen uns um unsere Lieben und um unsere eigene Zukunft, denn (zum ersten Mal) seit dem 2. Weltkrieg sind wir nun in der Situation, dass niemand die Entwicklung und Konsequenzen des gegenwärtigen Krieges vorhersagen könnte.

Heute sterben Soldaten auf beiden Seiten. Der Frieden wird durch die Bomben und Granaten zerstört. Und ein anwachsender Strom von Flüchtlingen ergießt sich über Europa: Frauen, alte Leute und Kinder.

All diese Ereignisse verursachen bei mir Sorgen, Bitterkeit und das größte Bedauern über die Entscheidungen, die die Leitung meines Landes getroffen hat. Und ich fühle das tiefste Mitleid wegen dem Leid, das diese Entscheidungen hervorgerufen hat.

Ich habe alles getan, was ich tun konnte, um diesen Krieg zu verhindern und diese Militärinvasion zu stoppen: In meiner Eigenschaft als Generalsekretär der Russischen Evangelischen Allianz habe ich am Tag vor der Invasion einen offenen Brief an Präsident Vladimir Putin geschrieben. In diesem Schreiben unterstützte ich das Ersuchen einiger religiöser Führer aus der Ukraine eine friedliche Lösung des Konfliktes zu erreichen.

Wir haben gefastet und gebetet um Frieden und Harmonie zwischen Russland und der Ukraine. Unsere Allianz hat sich an öffentlichen Gebeten mit Russen, Ukrainern und anderen Europäischen Führungspersönlichkeiten beteiligt im Betreben eine Versöhnung herbeizuführen. Als Russische Evangelische Allianz haben wir über 500 Flüchtlinge aus der Ukraine in Südrussland unterstützt. Und wir haben am “Runden Tisch” und bei einer nachfolgenden internationalen Konferenz über die politischen und militärischen Aspekte des Konfliktes gesprochen.

Heute bitte ich all um Entschuldigung (Vergebung), die liebe Anverwandte oder ihr Zuhause wegen dem Konflikt verloren haben. Das sage ich als Bürger meines Landes und als Generalsekretär der Russischen Allianz.

Es ist mein Gebet, dass Sie von Gott die notwendige Stärke erhalten und das wir uns die Hand der Solidarität und Vergebung reichen. Wir wollen uns als das Volk Gottes in dieser Welt verstehen und entsprechend leben.

Möge unser himmlischer Vater uns helfen. Mit dem größten Respekt,
Ihr Bruder im Herrn Vitaly Vlasenko

Auf der Jagd nach dem Frieden…

„Die Erde ist des Herrn,
geliehen ist der Stern
auf dem wir leben.“
so heißt es in einem Lied

Die Erde ist des Herrn?
Die Erde ist der Herren… oder etwa nicht?

Herren, die ihre eigenen Herren sein wollen,
Herren, die sich für ’ne Herrenmarke halten,
Herren in grauen Pullovern,
Graue Herren, Herren in weißen Häusern,
Herren in Megapalästen oder mit Golfplätzen,
Herren mit megaviel Kohle – oder Asche, das passt besser,
Herren mit Mauern im und vorm Kopf,
Herren, die sagen wo’s langgeht,
Herren, bei denen läuft`s wie geschmiert,
Herren, die zuschlagen – oder bezahlte Schläger haben,
Herren, die Menschen jagen und
Herren mit nacktem Oberkörper, auf Elchjagd

HALALI

und ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode… Den Frieden jagen, ich bitte Euch.
Das tun doch eh schon alle:
Ihn jagen, um ihn zu erle(di)gen.

Die Meute hetzt durch die Welt, bellend und geifernd,
die Schützen warten
entweder auf dem Hochstand oder im Unterholz

auf den Blattschuss,
bis das Halali das Ende der Jagd anzeigt:
„Die Jagd ist für diesen Moment vorüber, die Waffen ruhen jetzt“
ist erle(di)gt, der Friede.

Das Friedensfell liegt dann vor dem Kamin,
Das Haupt – hat der Frieden eigentlich Hörner? – hängt traurig überm Kaminsims.
Aus dem Rest machen wir Gulasch, mit Rotkohl und Klößen,
und wenn noch was übrig bleibt
frieren wir’s ein
für den nächsten Winter.

Kriegsknecht

Dem Krieg dienen – der Zerstörung von Menschenleben und Lebensraum,
der Ermordung von Alten und von Kindern, Söhnen und Töchtern,
der Angst, dem Schmerz, dem Tod zuarbeiten,
überfallen, in Besitz nehmen, zerstören…

So ist auch der Kriegsherr in Wahrheit ein Diener des Todes,
auch wenn er wie Putin,
voller Angst um sein eigenes Leben am anderen Ende meterlanger Tische sitzt,
um zu befehlen zu töten und getötet zu werden.

Eifrig nickend beeilen sich andere, dafür zu sorgen,
dass das geforderte Blut auch reichlich fließe.
Noch zu Zeiten atomarer Drohgebärden sang Sting, er hoffe,
die Russen würden ihre Kinder ebenfalls lieben –

doch der Krieg liebt nichts als sich selbst,
und selbst die, die ihm dienen,
weil auch sie keine Liebe kennen,
werden das erfahren.

und so geschah es

Noch immer zieht der Durcheinanderbringer durch die Welt,
um diejenigen auf die Probe zu stellen,
die wie Putin, Assad, Lukaschenko, Kim, Afewerki Geltung beanspruchen,
und flüstert ihnen zu:

Wenn Du ein wahrer Herrscher bist, so befiehl doch,
dass aus diesen Steinen Erz und aus dem Erz Waffen werden,
damit das Brot zu Geld werde
– und so geschah es.

Dann führte der Teufel sie an die Spitze ihrer Staaten und sagte zu ihnen:
Wenn Du ein wahrer Herrscher bist, so sorge dafür, dass niemand dich je stürzen wird.
Hast Du nicht Waffen, Soldaten und Geldgeber, die dich vor allem schützen,
was unbequem sein mag?
– und so geschah es.

Schließlich führte der Teufel sie vor eine Weltkarte,
zeigte ihnen Satellitenbilder und Menschenleben und sagte:
Such Dir nur aus, was alles dir gehören soll und worüber du herrschen willst,
du wirst es bekommen,
wenn du mich anbetest und dich Gott und Menschen nicht weiter interessieren.

– und so geschah es.

zu Mt 4,1-11

Gute Gesellschaft

Russland, unterstützt von

Belarus, dessen Diktator die Freiheitsbewegung niederknüppeln ließ
und sein Land für die Invasion der Ukraine zur Verfügung stellt.
Syrien, dessen Diktator mit Giftgas die eigene Bevölkerung tötete
und für eine der größten Flüchtlingsbewegungen unserer Zeit verantwortlich ist.
Nordkorea, dessen Diktator sein Volk für die Macht der Bombe hungern lässt
eines der abgeschottetsten Länder der Erde.
Eritrea, dessen Diktator für schwerste Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist,
inklusive einer der schlimmsten Christenverfolgungen weltweit.

Beschluss der UN-Vollversammlung vom 2. März 2022
zur Verurteilung Russlands für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
141 Staaten stimmten für die Resolution zur Verurteilung Russlands,
35 Länder enthielten sich der Stimme.

Putins Krieg will vollenden, was Nazideutschland angefangen hat

Auf der Demonstration auf dem Friedensplatz am Freitag sagte eine Rednerin,
ihr Opa sei im Krieg geboren, sie hoffe, er würde nun nicht im Krieg gehen müssen. 

Mir ist klar geworden:
Da sind Menschen, die wurden geboren, als Deutschland von 81 Jahren Kiew angegriffen und besetzt hat, die möglicherweise jetzt gerade durch russischen Beschuss sterben. So vollendet Putin, was Hitler angefangen hat. Begleitet von höhnischem Antisemitismus: Er wolle die Ukraine „entnazifizieren“ hat Putin gesagt. Der so als Nazi beschimpfte ukrainische Präsident ist Jude. Wir werden die Gewaltgeschichte nicht los, unsere nicht,
und nicht die der Menschen- und Gottesverächter. 

Haltestelle für den Frieden

Ab Montag, dem 28.02. finden wieder, wie gewohnt um 18 Uhr, vor dem (nun ehemaligen) REAL in Dortmund Eving ökumenische Friedensgebete in Form der Haltestelle statt, die nun zur Haltestelle für den Frieden wird. Alle sind eingeladen, wenn auch unter Beachtung von coronabedingten Abstandsregeln, hier miteinander ein Zeichen zu setzen, Glauben zu bekennen, für Gerechtigkeit und Frieden zu beten und einzutreten.
Wir können und werden nicht schweigen oder vor Schreck erstarren, sondern aufstehen gegen Krieg, Unrecht, Gewalt und Hass. Denn Krieg soll um Gottes Willen nicht sein!
Friedrich Reiffen, Claudia Schmidt, Uwe Wippich

Artikel der Ruhr-Nachrichten vom 26.02.22 – zum Vergrößern klicken