Haltestelle

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In der Tradition der Montagsgebete gab es von Mai 2015 bis Dezember 2016 jeden Montag ab 18 Uhr gegenüber der Haltestelle „Minister Stein“ der Stadtbahn eine Zeit des Nachdenkens über Flucht und Fluchtgründe sowie die Integration von Geflüchteten. Möglichkeiten des friedlichen Miteinanders im Dortmunder Stadtbezirk Eving wurden ebenso angesprochen wie aktuelle Entwicklungen und Ereignisse in aller Welt, die ein Miteinander in Vielfalt und Toleranz behindern oder verhindern. Informationen, Nachdenkliches sowie klare Positionen wurden begleitet von Musik, Singen und Gebet.

Wir bedanken uns bei allen Evingerinnen und Evingern, die in den vergangenen 20 Monaten für Vielfalt, Toleranz und Demokratie auf die Straße gegangen sind. Zwischen 20 und 65 Teilnehmer_innen haben Montag für Montag bei jeder Witterung Position bezogen, Solidarität gezeigt sowie ein eindeutiges und friedliches und wirksames Zeichen gegen rechte Propaganda gesetzt. Am 5.Dezember 2017 wurde die Initiative von der Stadt Dortmund daher mit einer Auszeichnung zum internationalen Tag der Freiwilligen bedacht.

Die Initiatoren laden jetzt dazu ein, sich im Projekt Ankommen für Eving zu engagieren und dabei zu helfen, Flüchtlingen beim Ankommen im Evinger Alltag zu unterstützen.
Darüber hinaus bleiben wir wachsam gegenüber jeder Art von Gewalt, Intoleranz und Menschenverachtung, seien sie politisch oder religiös motiviert oder einfach nur das  „Ja…Aber“ alltäglicher Vorurteile und Gleichgültigkeit. Wir haben deutlich gemacht, dass der Versuch in Eving rechte Propaganda zu verbreiten und rechte Positionen zu etablieren zum Scheitern verurteilt ist, weil Evinger Bürgerinnen und Bürger das nicht einfach hinnehmen werden und sich aktiv für ein friedliches und tolerantes Miteinander einsetzen, ohne die Probleme und Ängste der Menschen zu verkennen.

Die Haltestelle hat uns nicht nur zusammengeführt: Eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern sind stehen geblieben, haben nachgefragt oder sich sogar eingereiht. Wir haben zeigen können, wie stark und wie nachhaltig unser Eintreten für ein tolerantes, friedliches und weltoffenes Eving sein kann und werden dies jederzeit wieder tun, wenn es darauf ankommt.

– eine Initiative der christlichen Kirchen im Stadtbezirk Eving und der Bürgerinitiative „Gesicht zeigen gegen Rechts“

hier die Haltestellenbeiträge von Uwe Wippich:

Außerdem nochmals hier zum Nachlesen der offene Brief des runden Tisches für ein demokratisches Eving

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An die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils Eving

 

Liebe Evingerinnen und Evinger!

In unserem Stadtteil leben traditionell Menschen aus den verschiedensten Kulturen und Ländern friedlich zusammen. Auch wenn in Eving sicherlich nicht alles Gold ist, was glänzt – hier wird offen miteinander umgegangen, auch gestritten. Aber das Alltagsleben verläuft trotzdem nach den Regeln eines vernünftigen und friedlichen Umgangs miteinander.

Seit Anfang dieses Jahres gibt es in unserem Stadtteil eine Unterkunft für Flüchtlinge. Dorthin kommen Menschen aus den verschiedensten Ländern. Sie alle sehen in ihren Heimatländern für sich keine Zukunftsperspektiven mehr, weil ihr Leben durch Krieg bedroht ist oder weil sie aus anderen Gründen verfolgt und diskriminiert werden. Sie haben ihre Heimat darum unter schwierigsten Bedingungen verlassen, oft eine monatelange und komplizierte Flucht hinter sich, und hoffen bei uns darauf, Sicherheit und Ruhe zu finden.

In vielfältiger Weise haben seit der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft Bürgerinnen und Bürger aus unserem Stadtteil die Flüchtlinge tatkräftig unterstützt: 

beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche, bei Arztbesuchen und beim Sport.

Die Bewohner des Stadtbezirks Eving haben deutlich gemacht, dass sie in ihrer übergroßen Mehrheit bereit sind, die geflüchteten Menschen freundlich aufzunehmen und willkommen zu heißen.

Mit großer Besorgnis haben wir dagegen seit der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft zur Kenntnis nehmen müssen, dass in unserem Stadtteil immer häufiger rechtsradikale Kundgebungen und sogar ein Fackelmarsch durchgeführt wurden. Immer wieder versucht vor allem eine Organisation namens „die Rechte“ auf sich aufmerksam zu machen und mit ihren menschenverachtenden Parolen Zwietracht und Hass in unseren Stadtteil zu tragen.

Wir, die Unterzeichner, sprechen uns mit aller Deutlichkeit gegen Gewalt, gegen Rassismus und gegen Intoleranz aus. Es kann nicht sein, dass Menschen mit demokratischer Grundauffassung, Menschen aus anderen Kulturkreisen, Menschen mit anderer Hautfarbe oder Menschen mit anderen Lebensauffassungen und anderen Lebenssituationen Angst haben müssen, in unserem Stadtteil und unserem Land zu leben

Wir bitten Sie, liebe Evingerinnen und Evinger, uns im Bemühen um eine Kultur des Willkommens und ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Miteinander nach besten Kräften zu unterstützen. Leisten wir gemeinsam Widerstand gegen den menschenverachtenden Rechtsradikalismus. Engagieren wir uns persönlich, fantasievoll und verbindlich. Machen wir immer wieder deutlich, dass unser Stadtteil traditionell für Weltoffenheit, Toleranz, Demokratie und Vielfalt steht.

 Wir_alle_sind_Dortmund

Ein Gedanke zu „Haltestelle

  1. Liebe Initiatoren der Haltestelle,
    Wie immer in Hast meine U-Bahn zu bekommen, sah ich ihren Kreis der Gläubigen an der Haltestelle für Vielfalt und Toleranz. Ein freundlicher älterer Herr gab mir im Vorbeigeheneinen kleinen Handzettel zur Zielsetzung ihrer Aktion. Ich habe mich über ihre Initiative sehr gefreut und seien Sie versichert, dass ein buntes und tolerantes Dortmund von mir unterstützt wird. Ihr Zeichen macht Mut, ist notwendig in Zeiten, in denen Solidarität und Mitmenschlichkeit konfrontiert werden mit den schnellen Lösungsversprechen der Populisten. Herzlichen Dank für den kurzen und schönen Gedankenhalt, den sie in mir ausgelöst haben.
    Herzlichst
    Klaus Reuter

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