9. Mai

Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schumann vor, die Kohle- und Stahlindustrien Frankreichs und Deutschlands einer gemeinsamen, europäischen Behörde zu unterstellen. Die für Kriege benötigten Industrien sollten gemeinsam verwaltet werden, damit sie nicht wieder gegeneinander in Stellung gebracht werden könnten:
Nie wieder.

Schumanns Erklärung beginnt mit den Worten:
„Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen,
die der Größe der Bedrohung entsprechen.“

Andere Staaten sollten sich dieser Idee anschließen, denn, so Schumann:
„Diese Produktion wird ohne Unterschied und ohne Ausnahme der ganzen Welt angeboten, mit dem Ziel, zur Anhebung des Lebensstandards beizutragen und friedliche Errungenschaften zu fördern.“
Das ist der Kern, die Idee und die Aufgabe der EU – fast hätten wir es vergessen.
Darum leuchten heute, am Europatag, viele Gebäude in Dortmund und auch unsere Auferstehungskirche in Blau.

Der EU-Ratspräsident Michel musste heute in Odessa jedoch Schutz suchen vor russischen Raketen.
Friede ist demnach eine Aufgabe, die für viele Machthaber und Staaten dieser Erde wie für Russland, Putin und Co. offenbar zu groß ist. Denn sie erfordert Klugheit und die Bereitschaft, etwas aufzugeben oder gar zu teilen. Und zwar nicht die Verklärung glorreicher Siege der Vergangenheit oder der jederzeit bereitliegende Stempel „Nazi“. 

Zu teilen ist vielmehr die Ermöglichung einer gemeinsamen Zukunft, die nicht mit Waffengewalt herbei gezwungen werden kann und nicht mit Unterdrückung sowie Sprech- und Denkverboten zu verwechseln ist. Denn Friede ist eine Aufgabe – im doppelten Sinn:
Die Aufgabe, Lebensraum, Platz zum Leben und für gelingendes Miteinander zu schaffen
und dafürdie Durchsetzung eigener Interessen mit Waffengewalt aufzugeben.
Friede ist also eine Aufgabe, die auf den Tag der Befreiung folgt und nicht das Eilen von Sieg zu Sieg, wie glorreich diese auch verklärt sein mögen.
Friede ist eine Aufgabe, die Freiheit erfordert.

Die Freiheit, auch Feinde zu lieben gehört wohl dazu, so schwer das sein mag.
Denn, so schreibt Paulus an die Menschen des neuen Weges in Galatien (Galater 5):
13 Ihr, Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht einem selbstbezogenen leiblichen Leben Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. 14 Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3.Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«
15 Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu,
dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.

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