Predigt – 2015

Aufbruch – die thematisch-inhaltlichen Schwerpunkte des Jahres 2015

April
Aufbruch beginnt an Ostern, beginnt mit Ostern
– doch beginnt Ostern mit einer Frage, einer unlösbaren Aufgabe, einer Sorge:

wer wälzt uns den Stein?

Was bleibt von der Hoffnung?.
Und mehr noch: DAS sollen wir glauben??
Ist das nicht alles nur verlorene Liebes-Müh??

Aufbruch zum Grab,
Aufbruch aus dem Grab heraus,
Aufbruch nach Hause,
Aufbruch mit einer unglaublichen Botschaft,
gegen Hass, Gewalt, Verzweiflung, Tod.

Wenn die alten Wege nicht weiterführen,
macht der Aufbruch auf einen Neuen Weg die Menschen, die diesen Weg wagen,
zu den Leuten des Neuen Weges: Gemeinde Eving!

Mai
Abraham, Maria und Josef, der Kranke am Teich Bethesda, Paulus – Aufbrechen beinhaltet Aspekte, die immer auch Unsicherheit, Stress, Fragen und Zukunftssorgen mit sich bringen, so unsere Erfahrung. Da geht es ums Zurücklassen – guter Hoffnung sein – Mitnehmen, und jeder dieser Aspekte will gestaltet und gelebt sein.
Der Einführungsgottesdienst zum Dienstbeginn von Uwe Wippich hatte daher diese Schwerpunkte, die in Uwes Dienstversprechen und in Segnungen für Christians Arbeit mit den Jugendlichen und Uwes Gemeindearbeit mündeten.

– und in konkreten Aufbrüchen in der Gemeindearbeit:

der hauptamtlich durch Christian Meyer begleiteten Jugendarbeit

dem vielfältigen Engagement für die Flüchtlinge in der benachbarten Flüchtlingsunterkunft

dem entschiedenen und kreativen Einspruch gegen menschenfeindliche rechte Parolen und Aktionen

der zusammen mit den evangelischen und den katholischen Kirchen gestalteten montäglichen Haltestelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, einem politischen Abendgebet auf offener Straße mit starker Signalwirkung

und dem Gemeindekiosk, dem offenen Fenster in die Nachbarschaft und der Einladung, beim Vorbeikommen am Gemeindehaus stehen zu bleiben oder auch hineinzukommen zu Kaffee, Tee, Süßigkeiten und Plauderei oder ernsthaftem Gespräch.

Juni
„Wenn ich das gewusst hätte“ – mit dem Frühstücksgottesdienst im Juni verbunden waren die Tücken einer banalen Feststellung, dass man a) hinterher immer schlauer und b) es sinnlos ist zu hoffen das gestern besser wird.

Doch verändert sich damit die Basis unseres Handeln? Handeln wir wirklich nach bestem Wissen und Gewissen?
In Frühstücksgottesdiensten laden wir ein zu Heaven & Breakfast – ein ökologisch und biologisch verantwortlicher und darum vielfältiger Genuss, wo Frühstück, Gemeinschaft, Gespräch und thematische Würze zusammen kommen.

Juli
Die Probe aufs Exempel ist eine im Johannesevangelium aber auch in den anderen Evangelium berichtete Erfahrung:
Da brechen viele Menschen auf, um diesen Jesus von Nazareth zu erleben – sei es bei irgendwelchen wundersamen Heilungen, sei es wegen seinem ungewöhnlichen Reden über Gott und die Welt. Doch schnell stellt sich die Frage, wie die vielen Menschen versorgt werden könnten, die da zu Jesus und seinen Schülerinnen und Schülern kommen – eine überaus aktuelle Frage.
Ist es ein soziales Wunder, was dann geschieht, weil jeder teilt was er hat? Oder macht das Willkommen in der Nähe Jesu den Hunger vergessen? Oder geschieht da noch etwas mehr, dass von 5 Broten und 2 Fischen schließlich sogar noch etwas übrig bleibt? Wo Jesus sich auf dem Hügel setzt, um zu lehren, und wo die Menschen sich zum Essen im grünen Gras lagern – da scheint es um die Frage zu gehen, wer in wessen Auftrag und in welcher Haltung den Menschen gibt, was diese zum Leben brauchen – und sei es das täglich Brot.

August
Der Mitbringt-Gottesdienst im August – ein von den Gemeindemitgliedern frei und im Hören und Erleben gemeinsam gestalteter Gottesdienst – hatte dann auch das Thema Wegzehrung, bevor am folgenden Sonntag in einer Art Re-Enactment die Gemeinde den Spuren ihrer Wurzeln nachgegangen ist:  Um festzustellen, dass auch ein solcher Wurzelgottesdienst mit Aufbruch zu tun hat: den Anfängen und Aufbrüchen der Gemeinde Eving, unter schwierigen Bedingungen, die uns durchaus aktuell und bekannt vorkamen. Es sind die Aufbrüche, denen wir verpflichtet sind, nicht die Selbstbehauptung, nicht die gute Gewohnheit. So dass wir an die Zeitgenossenschaft der Gemeinde Fragen stellen können – wie war das damals mit den Nazis – um das für uns heute zu aktualisieren. Die Erzählung vom barmherzigen Samariter, der demjenigen hilft, der unter die Räuber gefallen ist, hat in diesem Wurzelgottesdienst zwischen Auslegung damals und Auslegung heute verdeutlicht, wem in Eving die Gemeinde im unterwegs sein zugleich zum Nächsten werden kann.

September
Der September war in Dortmund von der Ankunft des #TrainOfHope geprägt, der Hilfsbereitschaft vieler Menschen, die damit Zeichen einer so genannten Willkommenskultur setzen wollten: Willkommen, in Dortmund. Den riskanten, ja lebensgefährlichen Aufbrüche aus einer in Krieg, Gewalt und religiösem Eifer sich aufreibenden Region sollten hier Sicherheit und Hilfsbereitschaft entgegen gesetzt werden. Zugleich begannen Diskussionen und Interventionen, welche zunehmend von Notwehr, Abschottung und der Gefährdung Deutschlands sprachen, so dass die Erzählung vom Samariter hier eine prophetische Aktualisierung erfährt. In den Predigten vom September ging es daher um Syrien, das antike Syrien, dass uns nicht nur aus der Weihnachtserzählung bekannt ist, sondern wo mit Damaskus und Antiochia zwei Wegweiser für die Leute des Neuen Weges und ihren Aufbruch entscheidende Bedeutung bekamen und so die Dynamik dieser jungen und zugleich unorthodoxen Bewegung prägten.

Oktober
Der Frühstücksgottesdienst zu Erntedank knüpfte an die Ambivalenz des #Wish You Were Here an. Unter dem Stichwort „Wir sind nicht allein“ ging es um die Frage, ob dass nun die Lösung oder nicht vielmehr das Problem darstellt. Von der Suche nach außerirdischen Intelligenzen bis hin zur uns umgebenden Mikrobenwolke, von der unerträglichen Einsamkeit bis zum Rückzug aus der Zivilisation, von der verzweifelten Suche nach dem geeigneten Partner bis zum Kampf um den Platz im Leben: in dieser ewigen Dynamik nicht allein zu sein, und zwar in einer Weise, die das Leben bereichert, weil sie um Jesu willen von Vertrauen in die Treue Gottes, erweiterter Perspektive und Liebe geprägt ist, das gehört zum Kern christlicher Botschaft.

Dass sich Fischstäbchen nicht wiederbeleben lassen, davon konnten wir uns experimentell überzeugen. Ob aber dieser Kern von Glaube, Hoffnung und Liebe als Bedingung und Antrieb für den Neuen Weg und seine Leute genug Energie bereithält, um in den vielfältigen Strömen und Strömungen nicht nur nicht unterzugehen, sondern eigene Akzente des Lebens und des Lebendigen zu setzen, dass ist ja die Frage. Denn wir sind ja schneller verkauft als wir klicken können. Ich lebe – und ihr sollt auch leben, sagt Jesus beim Abschied zu seinen Schülern und verspricht einen Beistand, der mit den Dimensionen und Maßstäben dieser Zeit und dieser Welt nicht zu fassen ist, von dem aber immer wieder neu derart belebende Impulse ausgehen, dass wir uns nicht an dies und das verkaufen müssen, um auf dem Neuen Weg unterwegs sein zu können.

November

Angesichts der Anschläge von Paris werden viele Positionen neu bestimmt und viele Sorgen und Ängste neu formuliert:
was ist, wenn das hier bei uns passiert, in unserer Nachbarschaft. Wir sind also gefordert, hier in unserer Nachbarschaft,dem Hass etwas entgegen zu setzen, wenn es denn zwischen diesen Zeiten und in den Zwischenzeiten mit dem Aufbruch weitergehen soll, auch dem Aufbruch der Gemeinde, damit nicht alles zum Abbruch kommt. Was wird alles gesagt und getan, um Unfrieden zu stiften:
von den Hasstiraden in Internet-Postings und Pegida-Demonstrationen bis hin zu den Schüssen von Paris. Die eine Predigt setzt auf die Liebe gegen diesen Hass, mit den Worten aus 1. Korinther 13 – und wer in diesen Text schaut, der merkt: das ist kein romantisch-naives Gerede (wie auch, von einem der selbst schon genug Gewalt angetan und nicht nur damit Schiffbruch erlitten hat und der selbst  seine Grenzen und Gewalt erfahren hat), sondern es ist eine höchst politisches Wort zur aktuellen Situation.
So beginnt dann auch das neue Kirchenjahr Ende November mit dem ersten Advent, und während wir uns noch fragen, wer und was da alles noch kommt, kommt erst einmal die Welt in unseren Gottesdienst: mit irischer Musik und Weltreisenden aus unserer Mitte.
Aber: Hallo, Welt!, sind wir da nicht überfordert, auch mit unserer ambivalenten Willkommenskultur zwischen Weihnachtsmarkt und Flüchtlingsunterkunft, auch mit unseren Registrierungsprogrammen und Adressierungen zwischen Navigationssystem und Drohnenkrieg? Also wird es nichts mit „macht hoch die Tür die Tor macht weit“ in diesem Advent, zumindest, wenn es nach Pepita und der sogenannten Alternative für Deutschland. Aber da gibt es Alternativen und die beginnen hier und jetzt in unserer Nachbarschaf, im Anteil geben und Anteil nehmen, konkret und wirksam. Hallo, Welt, du hast heilsame Konkurrenz bekommen: Hallo, Neue Welt Gottes!

Dezember

Die Weihnachtszeit ist die Zeit der großen Erzählungen, der persönlichen und kollektiven Erwartungen und der damit verbundenen ungeheuren Kommerzialisierung: Können wir noch unterscheiden zwischen dem Krieg der Sterne und dem Stern von Bethlehem, zumal auch letzterer eine Gewaltgeschichte erzählt?
Kommen die neuen Wege, von denen wir in 2015 gesprochen haben, an der Krippe zum Ziel? Oder geht es da erst richtig los, mit Umwegen oder sogar Flucht vor Gewaltandrohungen. Frieden und Gerechtigkeit sind nicht leicht zu haben und nicht einfach da, bei aller Freude auch nicht in der Geburt des Kindes. Aber in uns, als denen, die in diesem mit diesem Kind Jesus Christus gelernt haben, der Treue Gottes zu vertrauen – weil Gott sich auf unsere Seite gestellt hat, uns auf unseren alten Wegen begegnet und unsere „neuen“ Wege mitgeht.

 

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