Der Bischof von Myra in Eving…

… und draußen marschieren Neonazis

Da sitzt er würdevoll im Evinger Saturn, der Bischof von Myra, genannt Nikolaus. Ist ja auch Nikolaus-Abend da, heute. Ein goldenes Kreuz auf der Mitra, dem Bischofshut, mit Krummstab und kleinen schokoladigen Ausgaben seiner selbst, zum Ausgeben, an die kleinen Begleiter des Adventsshoppings in und auf dem Saturn. Der Kirchenmann, ob seiner kleinasiatischen Herkunft zweifellos mit Migrationshintergrund, trifft nun knapp 1750 Jahre nach seiner Geburt ausgerechnet in einem Evinger Elektrogroßhandelsgeschäft seine Nachbarn:

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#Lindigkeit

Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen (Phil 4,5),

so hieß es unter Bezug auf diese althergebrachte Übersetzung am vergangenen Montag an der Haltestelle.
Dabei ging es nicht nur um den Verlust von Begriffen, mit denen manche nichts und manche nichts mehr verbinden können,
sondern vor allem um eine begriffliche Gegenbewegung zum sich ausbreitenden und gesellschaftsfähigen Wort „Krieg“.
Eine halbe Woche danach ist dies kaum irgendwo so sehr sichtbar, wie in den USA, wo es nach dem Anschlag von San Bernardino wie selbstverständlich von den Seiten der Republikaner heißt „wir befinden uns mitten im Krieg“. Da diese Vokabel bei den vielen und mittlerweile alltäglichen Massenschießereien nicht fällt, geht es nicht um die Tat und die Tatmuster an sich oder die waffentechnisch aufgerüstete Gesellschaft, sondern um die Deutungshoheit und das damit verbundene politische Kapital: die Tat und deren mögliche Motive „ausschlachten“ zu können, für eigene Interessen und Positionen.

Wie naiv erscheint dagegen ein Begriff wie „Lindigkeit“. Nur, was bedeutet das überhaupt? Weiterlesen

AfD fordert Einreisestopp und Registrierungszwang für Weihnachtsmarktbesucher

so müsste eine von mir (wohl kaum) vermisste Schlagzeile dieser Tage eigentlich lauten, war doch in der lokalen „Lügenpresse“ zu lesen, dass ein Großteil der Weihnachtsmarktbesucher in Dortmund aus England, Holland und Belgien komme. Belgien? Wo die nach AfD-Logik von der Bundeskanzlerin angelockten Terroristen wohnen, die dann in Paris – und wer weiß wo noch – Anschläge verüben?

Der von der AfD reklamierte „Mut zur Wahrheit“ entlarvt sich in einer Folge austauschbarer Vokabeln als Pauschalrhetorik, deren Wahrheit eben darum immer „wahr“ bleibt und die eben darum wahrlich Mut braucht, sie auszusprechen. Eine adäquate Stellungnahme der AfD zur gegenwärtigen Touristenflut (3,6 Millionen Besucher allein des Dortmunder Weihnachtsmarktes – und das in nur 5 Wochen!) müsste daher eigentlich so lauten:  Weiterlesen

#Angeschlagen

Die Anschläge in Paris haben ihre besondere Dimension nicht nur in der maßlosen Mordlust und nicht einfach darin, dass sie in unserer „Nachbarschaft“ geschehen sind, sondern darin, wie nachhaltig sie unsere Nachbarschaft prägen. Damit ist nicht zuerst das Verhältnis Frankreich-Deutschland gemeint, das als Beispiel dafür steht, wie mit langjähriger harter Arbeit und politischem Willen aus so genannten Erzfeinden eben Nachbarn und Freunde werden. Stattdessen bedeutet Nachbarschaft die unmittelbare Umgebung um unseren Lebensmittelpunkt, die Menschen, Dinge, Institutionen und Netzwerke, die unser alltägliches Leben prägen. Zu recht ist darauf hinzuweisen, dass nur einen Tag zuvor auch in Beirut bei einem Bombenanschlag mehr als 40 Menschen getötet wurden und am 10. Oktober in Ankara mehr als 100 Menschen bei einer Friedensdemonstration. Doch medial-globalisierte Nähe ist eben noch nicht Nachbarschaft. Die ist entweder von Respekt und Toleranz geprägt, oder von Gleichgültigkeit, Ignoranz oder sogar Feindseligkeit. Hier, so scheint es, lassen sich ebenso spontan wie nachhaltig Stimmungen ausmachen, scheinbar beeinflussen und prägen. Daher kann ein Fußballspiel zwischen Nachbarn zum Symbol der Freiheit werden und ebenso daran scheitern, werden Lebensweisen verdächtig und sollen durch Beobachtungen sowie Datenerfassungen „abgesichert“ werden.

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Mut gegen Macht – Nein zu Neonazis

Am 16.11. sendete der WDR eine neue Folge der Doku-Reihe Mut gegen Macht, diesmal über den Widerstand gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Für die Sendung begleitete die Filmemacherin Mareike Wilms in diesem Jahr unter anderem die Evinger Bürgerinitiative ‘Gesicht zeigen gegen Rechts’ in ihrem Engagement für Flüchtlinge und beim Widerstand gegen die Versuche der extremen Rechten, durch Aufmärsche und öffentliche Provokationen in Eving Stimmung gegen Flüchtlinge sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger zu machen. In dem Beitrag wird deutlich, das Schweigen keine Alternative ist, wenn Menschen in unserer Nachbarschaft in Not sind oder ihrer Herkunft wegen von den Rechten bedroht und verletzt werden.

-> Hier geht es zum Beitrag in der Mediathek der ARD (leider nicht mehr vorhanden)

Bei vielen der Aktionen gegen Rechts wurde die Bürgerinitiative durch die Evinger Kirchengemeinden und damit auch unsere Gemeinde maßgeblich unterstützt, so beim Spendenmarathon, bei dem die Neonazis durch ihre Kundgebungen mehr als 3000,— Euro für die Flüchtlinge in Eving „sammelten“. Neben der kontinuierlichen Arbeit durch die gemeinsam verantwortete Haltestelle haben wir zuletzt beim Marsch der Rechten durch Eving Ende Oktober an der Auferstehungskirche gegen die menschenverachtende Propaganda der Rechten sowie die damit verbundenen Einschüchterungen und Bedrohungen Evinger Bürgerinnen und Bürger Stellung bezogen.

 

#PrayerIsAboutLife

Noch in der Nacht der Anschläge von Paris machte ein Hashtag die Runde, in dem zum Gebet für Paris aufgerufen wurde:

prayforparis

Doch gab es auch als Reaktion darauf noch einen weiteren Hashtag, der ebenso als Antwort auf das Geschehen wirksam werden sollte: #ParisIsAboutLife

parisisaboutlife

Verständlich angesichts der Gewaltgeschichte der Religionen – oder jeden anderen Anspruchs auf höhere Wahrheit, einfach das Leben feiern zu wollen. Als Menschen, die nach einem Gewaltopfer benannt sind und im Vertrauen auf die Treue Gottes leben, die dem Tod nicht das letzte Wort überlässt, feiern auch wir den Aufstand des Lebens gegen den Tod – und beten gerade darum für und um das Leben und nicht darum, Recht zu behalten und Gott dafür in Anspruch zu nehmen. Dieses Gebet lehrt, von sich selbst abzusehen, Freude und Not zu kennen und zu benennen, es lehrt dankbar zu sein und voller Freude und es lehrt auch im Tun Verantwortung zu übernehmen: für Menschen in Not und für eine Religion ohne Gewalt: #PrayerIsAbouLife

 

Offener Brief des Runden Tisches für ein demokratisches Eving

Runder Tisch für ein demokratisches Eving

wirindortmund

An die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils Eving

 

Liebe Evingerinnen und Evinger!

In unserem Stadtteil leben traditionell Menschen aus den verschiedensten Kulturen und Ländern friedlich zusammen. Auch wenn in Eving sicherlich nicht alles Gold ist, was glänzt – hier wird offen miteinander umgegangen, auch gestritten. Aber das Alltagsleben verläuft trotzdem nach den Regeln eines vernünftigen und friedlichen Umgangs miteinander.

Seit Anfang dieses Jahres gibt es in unserem Stadtteil eine Unterkunft für Flüchtlinge. Dorthin kommen Menschen aus den verschiedensten Ländern. Sie alle sehen in ihren Heimatländern für sich keine Zukunftsperspektiven mehr, weil ihr Leben durch Krieg bedroht ist oder weil sie aus anderen Gründen verfolgt und diskriminiert werden. Sie haben ihre Heimat darum unter schwierigsten Bedingungen verlassen, oft eine monatelange und komplizierte Flucht hinter sich, und hoffen bei uns darauf, Sicherheit und Ruhe zu finden.

In vielfältiger Weise haben seit der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft Bürgerinnen und Bürger aus unserem Stadtteil die Flüchtlinge tatkräftig unterstützt:

beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche, bei Arztbesuchen und beim Sport.

Die Bewohner des Stadtbezirks Eving haben deutlich gemacht, dass sie in ihrer übergroßen Mehrheit bereit sind, die geflüchteten Menschen freundlich aufzunehmen und willkommen zu heißen.

Mit großer Besorgnis haben wir dagegen seit der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft zur Kenntnis nehmen müssen, dass in unserem Stadtteil immer häufiger rechtsradikale Kundgebungen und sogar ein Fackelmarsch durchgeführt wurden. Immer wieder versucht vor allem eine Organisation namens „die Rechte“ auf sich aufmerksam zu machen und mit ihren menschenverachtenden Parolen Zwietracht und Hass in unseren Stadtteil zu tragen.

Wir, die Unterzeichner, sprechen uns mit aller Deutlichkeit gegen Gewalt, gegen Rassismus und gegen Intoleranz aus. Es kann nicht sein, dass Menschen mit demokratischer Grundauffassung, Menschen aus anderen Kulturkreisen, Menschen mit anderer Hautfarbe oder Menschen mit anderen Lebensauffassungen und anderen Lebenssituationen Angst haben müssen, in unserem Stadtteil und unserem Land zu leben

Wir bitten Sie, liebe Evingerinnen und Evinger, uns im Bemühen um eine Kultur des Willkommens und ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Miteinander nach besten Kräften zu unterstützen. Leisten wir gemeinsam Widerstand gegen den menschenverachtenden Rechtsradikalismus. Engagieren wir uns persönlich, fantasievoll und verbindlich. Machen wir immer wieder deutlich, dass unser Stadtteil traditionell für Weltoffenheit, Toleranz, Demokratie und Vielfalt steht.

 

„Wir sind nicht allein …“

Frühstücksgottesdienst „Heaven & Breakfast“ am Sonntag, den 04.10.2015 ab 10 Uhr in der Auferstehungskirche Dortmund Eving, Preußische Straße 96:

Thema:

  • „#Wish You Were here – Wir sind nicht allein …“ mit Uwe Wippich

Ablauf:

  • Frühstück 10:00 – 10:45 Uhr
  • Thema 10:45 – 11:30 Uhr
  • ... weiter frühstücken 🙂

Hinweis:

  • Das Essen ist kostenlos und in weiten Teilen regional und fair eingekauft. Eine Spende ist möglich.

Herzlich willkommen!

Haltestelle – es geht weiter…

Haltestelle Logo

Auch wenn die Abende dunkler und kühl werden – die Haltestelle hält durch:

Bis Weihnachten geht es weiter jeden Montag ab 18 Uhr mit Statements, Gebet und Gemeinschaft für Vielfalt, Toleranz und Demokratie gegenüber der Stadtbahn-Haltestelle Minister Stein in Eving.

Syrien – da war doch was? Gottesdienste im September 2015

Syrien – das Wort kennen wir schon von Kind auf. Kommen Sie drauf, woher?
Vermutlich haben wir in Deutschland die erste Begegnung mit diesem Wort in der Weihnachtsgeschichte.
Doch nicht nur dort spielt die damalige römische Provinz Syrien eine entscheidende Rolle:
Damaskus und Antiochia sind Wendepunkte und Energiezentren in der frühen Geschichte der „Leute des Neuen Weges“,
wie diese jüdische Gruppierung genannt wurde, die Jesus als den Messias bekannte. Hier wurde diese Gruppe von den römischen Behörden zuerst als „Christen“ bezeichnet, hier spielten sich Szenen von Verfolgung, Folter und Gefängnis ab, in die ein gewisser Paulus verwickelt war, hier wurde um den Kurs des Neuen Weges gestritten, von hier gingen entscheidende Impulse aus, durch die dieser Weg bis nach Europa führte.

In den Gottesdiensten am 13. und 20. September gehen wir auf Entdeckungsreise zu unseren jüdisch-syrischen Wurzeln, die für heute, für die aktuelle Situation syrischer Flüchtlinge und eine Kultur des Willkommens und der Hilfe von Bedeutung sind, in der wir uns einmal mehr als „Leute des Neuen Weges“ verstehen und bewähren müssen.