Hinterm Tor

Immer sehen wir ihn draußen vor dem Tor
durch die Menge reiten,
Palmwedelei und Kleiderteppich,
Hosannasang und Jubelruf:
stolz die Truppe, die mit ihm zieht.

Sie singen:
Mein Jesus ist ein Wundermann
ein König und Prophet
ein Kämpfer für das Vaterland
und auch ein toller Typ
Wir geh’n jetzt nach Jerusalem
und verändern dort die Welt
mein Jesus ist mein Held!

Erst diese Stadt, dann die ganze Welt!
Erst diese Stadt, dann Manhattan, dann Berlin.
Wir kommen jetzt, es ihnen zurückzuzahlen.
Die Zukunft kommt mit uns.
Kommt mit uns!

Von ihm aber heißt es,
er habe Tränen in den Augen,
murmelnd:
wenn du doch erkannt hättest,
wenigstens an diesem, deinem Tag,
was zu deinem Frieden dient.

Denn hinterm Tor,
welche Hoffnung haben
die Händler im Tempel,
welche Wünsche hat
der Hauptmann der römischen Truppen,
welche Ziele hat
Pontius Pilatus,
wie stellt sich Kaiphas
die Zukunft vor?
Was wollen der Bäcker, der Schmied, der Tuchhändler
und der, der Gewürze verkauft,
schon am Abend, als der Sabbat vorbei ist?
Wonach sehnt sich die Mutter,
die Braut,
der Pilger aus Äthiopien,
wovon träumt das Kind
als Jesus durch das Tor geritten kommt?

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